CARCASSONNE
AUDE

BERICHT über die
AKTION in CARCASSONNE
am Sonntag, den 2. Februar 2003
"Sie sind nicht würdig,
uns zu vertreten !"

Im Rahmen ihrer Kampagne « Montée au Créneau »( frei übersetzt: „Auf die Zinnen!“) organisierte die F.L.A.C. am Sonntag, den 2. Februar eine Aktion, um die Bürgermeister der französischen Stierkampfstädte, die sich unter hohen Sicherheitsvorkehrungen im Stadttheater von Carcassonne zu einem Kongress versammelt hatten, in die Enge zu treiben.
Seit der Novillada vom 1. September 2002 möchte Raymond Chésa, Bürgermeister von Carcassonne, dass seine Stadt an oberster Stelle der Rangliste der Blutstädte steht. Jetzt hat er es geschafft!

Und in der Tat, im Inneren des Theaters hatten soeben 17 Bürgermeister eine 47ste Stadt der Liste der Stierkampfstädte hinzugefügt, während draußen etwa hundert mutige Demonstranten dem schlechten Wetter trotzten, um den versammelten „Stadtvätern“ zuzurufen : „Sie sind nicht würdig, uns zu vertreten!“.

Am Ausgang des Theaters konnten die Volksvertreter u.a. auf Banderolen lesen « Quälerei ist nicht unsere Kultur! » und ebenso bekamen sie zu hören « Wo bleibt Ihr Gewissen ? »

Auf der gegnerischen Seite gab es nur verlegendes Schulterzucken, während der Bürgermeister von Dax, Präsident des Stierkampfclubs, im Vorbeigehen mit der Faust auf ein Protestplakat, das ein Demonstrant hielt, einhieb. Daraufhin begleiteten ihn einige Demonstranten in angemessener Weise, ohne ihm zu Leibe zu rücken,zu seinem Auto, das er auf einem Parkplatz für Behinderte abgestellt hatte. Eine gute Lektion in Bürgerkunde !

Während dessen entfloh der Bürgermeister von Carcassonne über eine Hintertreppe, um nicht mit seinen Bürgern konfrontiert zu werden, um so mehr, da er gerade die Verdienstmedaille seiner Stadt dem oben zitierten beispielhaften Präsidenten verliehen hat.

In der Zeitung „Midi Libre“ des selben Tages erklärte das Oberhaupt von Carcassonne, „dass die Corridagegner sich zurückhalten sollten, denn er plane 5 bis 6 Corridas pro Jahr zu veranstalten“.

Welch ein Größenwahn! Vielleicht sollte sich auch die Stadt Nîmes zurückhalten, denn die Konkurrenz zwischen den beiden Stierkampfstädten kündigt sich mit Härte an.

Der Kongress der französischen Stierkampfstädte wird nun schon im zweiten Jahr mit den Protesten der Stierkampfgegner konfrontiert. Im Jahre 2002 organisierte das FLAC Komitee von Bordeaux-Gironde den Protest in der Stadt Floirac.
Von links nach rechts:
Robert Clavijo, Präsident COLBAC
Charles Kondoky, Vizepräsident Tierschutzverein Perpignan
- Jean-Pierre Dunyach, Vertreter APAC
Josyane Querelle, Präsidentin FLAC
Claude Van Dyck, F.L.A.C-Komitee Perpignan
Thierry Hély, Vizepräsident F.L.A.C und Vizepräsident CRAC
Im Laufe der Wortmeldungen vor dem Theater erinnerte die Präsidentin der FLAC die versammelten Bürgermeister , dass sie nicht mehr mit den Stimmen von Bürgern, die Gewalttätigkeit ablehnen, rechnen können.

Robert Clavijo, Präsident von COLBAC, wies darauf hin, dass die Corrida ein Fass ohne Boden ist. Er zitierte die Stadt Nîmes, die trotz der vergnügungssüchtigen Massen, die von den Ferias angelockt werden, in tiefen Schulden steckt.
Er hob besonders hervor, dass in der Stadt Béziers 21000 Unterschriften gegen die Stierkämpfe gesammelt wurden, die der Bürgermeister und der Stadtrat dieser Stadt nicht zur Kenntnis nehmen wollten. Welch ein Mangel an Demokratie-Verständnis !

Als Nächste zeigten Claude Van Dyck vom Komitee FLAC Perpignan und Charles Kondoky Vizepräsident des Tierschutzvereins Perpignan ihre Entschlossenheit , die Corrida zu bekämpfen.


Dann war es an Thierry Hély, Vizepräsident von CRAC, zu erinnern, welche erschütternden Eindruck die Aufnahmen seines Films, der die beim Stierkampf ausgeübte Gewalttätigkeit eindrücklich anklagt, hinterlassen hat. Er übergab den erschienenen Journalisten eine Kopie der BBC-Reportage vom August 2002 über die Situation in Carcassonne. Dieser Fernsehfilm, der Teile des von Thierry Hély gedrehten „ Films der Schande“ enthielt, war überall auf britischen Bildschirmen zu sehen.
Nicolas Biscaye, Präsident von AFIPA, bewies uns seine Freundschaft, indem er aus Paris gekommen ist, um an unserer Aktion teilzunehmen. Er hat viel getan, um Presse und Abgeordnete wegen der Zustände in Carcassonne zu mobilisieren.

Da Marie-Louise Calvet aus Bourg-Madame, Präsidentin von APAC, wegen Schneefalls in den Pyrenäen nicht kommen konnte, wurde sie von Jean-Pierre Dunyach vertreten. Auch unsere Freunde aus Toulouse sind gekommen, angesichts der Gefahr, dass vor den Toren ihrer Stadt nicht nur in Rieumes, sondern jetzt auch in Fenouillet Stierkämpfe veranstaltet werden.

Schließlich danken wir auch den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern von Carcassonne, die den Mut hatten, ihren Stadtverordneten eindrücklich zu sagen, dass sie in ihrer Stadt, die immerhin 2 Stätten des Weltkulturerbes (Mittelalterliche Festunsstadt und Canal du Midi) beherbergt , keine Weltkulturschande zulassen werden.

Ein Dankeschön auch den Vertretern der FBB sowie den Mitgliedern der « Alliance pour la supression des corridas », die diese Aktion unterstützt haben.

Besondere Dank gilt auch der « Confédération Paysanne de l'Aude » (den Grünen nahestehender Landwirteverband), der als „außenstehende“ Organisation uns erheblich unterstützt.

Berichterstattung in den Medien :
Fernsehen: Télé Canal Cité
Presse : Midi Libre / La Dépêche (3. und 4. Februar) / L’Indépendant
Den Journalisten, die über unsere Aktion berichtet haben, sei gedankt.