Toulouse, den 27. März 2005
Sehr geehrter Herr Rafenomanjato,
In Labarthe / Lèze fanden am 19.6.2004 zum ersten Mal Spiele mit Stieren statt. Es wurden in einer kleinen mobilen Arena Stiere frei gelassen, was man "encierro" nennt, und danach wurden ein paar Vorführungen mit dem roten Tuch der Toreros gezeigt.
Während der Festlichkeiten wurden auf Plakattafeln, die normalerweise für Wahlkämpfe benutzt werden, Zeichnungen von Schülern der öffentlichen Schulen ausgestellt, die ausschließlich Stierkampfszenen darstellten. Das erschien uns ungeheuerlich. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Aufforderung von Kindern, Folter und Tod eines Tieres zu zeichnen, zur Verharmlosung von Gewalt führt, was nicht im Einklang mit der Ethik des nationalen Erziehungswesens ist.
Als wir davon hörten, dass die Organisatoren diese Art von Spektakel wiederholen wollten, war zu befürchten, dass die Schüler wiederum aufgefordert werden. Deshalb wollten wir mit den beiden Schulen von Labarthe sprechen.
Eine Lehrerin der Schule Saint Louis hat uns Anfang Januar 2005 bestätigt, dass ihre Schule vom Stierkampfclub angesprochen wurde mit dem Vorschlag, kleine Objekte mit Stierkampfthemen zu basteln, deren Verkaufserlös der Schule zugute kommen sollte. Die Schule, eine private Lehranstalt, wies das Angebot zurück und verlegte ihre jährliche Kirmes an einen anderen Ort, um mit dem grausames Spektakel nicht in Verbindung gebracht zu werden.
Uns blieb jetzt noch, sich mit der öffentlichen Schule zu unterhalten. Dazu haben wir am 27. Januar dieses Jahres einen Brief an die Direktorin der Grundschule geschrieben und um ein Treffen gebeten, um mit ihr über die Infiltrierung des Stierkampfs in den Kassen und die Gefahr, die davon ausgeht, zu sprechen. Nach anderthalb Monaten, in denen wir keine Antwort erhielten, riefen wir die Direktorin Frau Pedrola an. Sie antwortete uns wie folgt:
- Dass sie nicht verantwortlich ist für die Zeichnungen, die im Jahr 2004 von der Klasse CE1 angefertigten wurden.
- Dass die Lehrer sich versammelt haben, um über unseren Brief zu sprechen und dass sie schlussfolgerten "nichts falsch gemacht zu haben".
- Dass wir nicht von den Verantwortlichen empfangen werden.
Eine dritte Person, ohne sich vorzustellen, schrie in den Apparat, dass sie uns nicht sehen wolle, da unser Brief beleidigend sei, obwohl wir unser Anliegen mit vollem Respekt und Korrektheit vorgetragen haben. Angesichts der Verweigerung eines Dialogs wenden wir uns mit der Bitte an Sie, sich einzuschalten, damit die Schule von Labarthe sur Lèze den Kindern nicht mehr ein falsches Bild vom Stierkampf vermittelt! Unser einziges Ziel ist der Schutz der Kinder unseres Landes. Der Stierkampf ist für Jugendliche durch seinen Sadismus gefährlich und das Zuschauen beim Todeskampf eines Tieres kann Verhaltensstörungen bei Kindern verursachen.
Im Rahmen des Jahrzehnts der Gewaltlosigkeit bitten wir Sie, Herr Schulrat, einzuschreiten, um die Propaganda für den Stierkampf in den Schulen insbesondre von Labarthe sur Lèze und allgemein in ihrem Schulbereich zu verhindern. Der Stierkampf hat keinen Platz in den Schulen des Nationalen Erziehungswesens! Schüler in den Stierkampf einzuführen, ist nicht im Lehrplan vorgesehen!
Wir danken Ihnen im Voraus dafür, dass Sie unserer Bitte entsprechen und verbleiben
Mit freundlichen Grüssen
Françoise Latapie
Beauftragte des Kommitees
Brief des Inspektors des Nationalen Erziehungswesens
an die Direktorin der Grundschule von Labarthe s/Lèze und ihre Mitarbeiter
vom 2. Mai 2005
Betreff: Beschwerde des Kommtees der F.L.A.C.
Anlässlich eines Briefes des Kommitees der F.L.A.C. (Fédération des Luttes pour l'Abolition de la Corrida), von dem ich Ihnen eine Kopie übermittle, fordere ich sie auf, wenn erneut ein Fest mit Stieren in Labarthe sur Lèze veranstaltet wird, diese Veranstaltung nicht mehr zu unterstützen.
Selbst wenn es sich nicht um einen Stierkampf handelt, kann man darin eine Propagandaaktion für den Stierkampf sehen. Der Stierkampf ist ein Spektakel, in dessen Mittelpunkt der Tod steht, manchmal gespielt, aber auch direkt vorgeführt mit Blut und Stress.
Die Aufgabe der Schule ist es nicht, bei solchen Veranstaltungen mitzumachen, selbst dann nicht, wenn diese für gewisse Leute ein Teil der kulturellen Identität sind.
Lassen Sie uns vor allem in einem Raum, der ein Ort der Begegnung und Offenheit sein soll, Wege vermeiden, wo die Kontoverse dominiert.
G. Heurtaux
Wir danken dem Inspektor des Nationalen Erziehungswesens
Mit grosser Freude haben wir von dem Brief Kenntnis genommen, den Sie an die Direktorin der Grundschule und deren Mitarbeiter in Folge unserer Intervention vom 27. März adressiert haben. Ihre Achtsamkeit gibt uns Rückenstärkung und wir sind besonders erfreut, dass Sie den Mut haben, offen die Beschönigung des spanischen Stierkampfes anzuprangern.
Die Kontroverse, die das umstrittene Thema des Stierkampfes hervorruft, ist in unseren Augen kein Nachteil, wenn überall eine offene Diskussion stattfindet. Jedoch ist dieses leider zur Zeit nicht der Fall. Tatsächlich stehen wir einer riesigen Propaganda zugunsten einer unvertretbaren Handlung, die das Gesetz indirekt untersagt, gegenüber.
Indem wir Ihnen nochmals herzlich danken, verbleiben wir mit freundlichen Grüssen
Françoise Latapie
Komitee F.L.A.C Toulouse