INHALT GESCHICHTE

Der ursprung des stierkampfes

Die ersten spiele mit stieren

Anfänge des stierkampfes

Ausbreitung des stierkampfes

Spiele mit stieren in Frankreich

Einführung des stierkampfes in Frankreich
Ethik und Geschichte
KOMMISSION

Verantwortlich : Alain Camisuli

DER URSPRUNG DES STIERKAMPFES

Da vor dem 11. Jahrhundert keine Quellen vorliegen, gibt es die unterschiedlichsten Vermutungen über den Ursprung des Stierkampfes.

Moslemischer Ursprung ?

Diese These wies die Erfindung von Stierkämpfen den Mohammedanern zu, die während sieben Jahrhunderten ( vom 8. bis 15. Jahrhundert) Spanien besetzt hielten. Diese These wurde im 19. Jahrhundert fallen gelassen. Da die Kämpfe von der Kirche verboten wurden, wären sie nur vom nichtchristlichen Bevölkerungsteil ausgeübt worden. Es wäre also eine spanische Besonderheit, denn in keiner anderen Region, die von Muslims beherrscht wurde, gab es Stierkämpfe.

Römischer Ursprung ?

Im 18. Jahrhundert schrieb ein ansteigendes Interesse für die Antike den Ursprung des Stierkampfes den Römern zu. Diese These ignorierte die Tatsache, dass mit anderen Tieren als Stieren gekämpft wurde. Auch in bildlichen Darstellungen aus dieser Zeit gibt es keinerlei Hinweise auf Kämpfe mit Stieren. Die römischen Krieger kämpften mit Raubtieren wie Löwen oder Bären und maßen sich nicht mit Pflanzenfressern, für welche die Bezeichnung « Raubtier » keinesfalls zutrifft. Die Stierkampfanhänger des 19. Jahrhunderts veranstalteten, da sie an einen römischen Ursprung glaubten, ihre Stierkämpfe in restaurierten römischen Arenen Südfrankreichs. Übrigens gibt es keine Erklärung, wie sich aus den römischen Kampfspielen der Stierkampf entwickelt hat

Kretischer Ursprung ?

Im Jahre 1900 schrieb Angel ALVAREZ , Professor für Religionsgeschichte an der Universität Madrid, seine These über die Mythen und Riten des Stieres im Mittelmeerraum. Danach sollte der Stierkampf von minoischen Spielen, einer Art akrobatischer Vorstellung mit dem Stier, abstammen. Die Stierkampfanhänger griffen diese Theorie auf, da für sie alles, was damals mit Stieren zu tun hatte, mehr oder weniger Stierkampf bedeutete. Welche Verwirrung! Auch hier gibt es keine Erklärung für die Überlieferung.

Der Mithras-Kult als Ursprung ?

Dieser Kult wurde durch die Arbeiten von CUMONT bekannt und von BARONCELLI im Jahre 1924 und MONTHERLANT im Jahre1926 als Stierkampfritus umgedeutet. Für den Letzteren handelte es sich um die Opferung eines Stieres , mit dessen Blut man sich zur Regeneration begoss. Indem man sich mit der Haut des Stieres bekleidete, ließ man dessen Tugenden in sich eindringen, um damit Sonne und Welt zu retten!
In Wirklichkeit wurden bei diesem Kult, der im 4. Jahrhundert verschwand, hauptsächlich Geflügel, Schweine, Ziegen und selten Stiere geopfert. Außerdem wurde die iberische Halbinsel kaum von diesem Kult, der die Sonne und nicht den Stier (!) als Mittelpunkt betrachtete, beeinflusst. Der Mithras-Kult breitete sich vielmehr in Italien (Venedig) und im Einzugsbereich der drei großen europäischen Flüsse – Rhein, Donau und nur zu einem geringen Teil im Rhonegebiet - aus. Diese Theorie liefert keine Erklärung für den Kampf.

Prähistorischer Ursprung ?

Graf LAS NAVAS (1855-1935) schließlich wollte den Ursprung des Stierkampfes in den Anfängen der Menschheit sehen, indem er sich auf die prähistorische Jagd auf den Auerochsen bezog. Verschwieg der Autor nicht absichtlich, dass in vorgeschichtlicher Zeit die Jagd eine Überlebensnotwendigkeit war und nicht nur die Jagd auf den Auerochsen? Das hat nichts mit dem Stierkampf zu tun, der nur zum Gewinnstreben und aus Vergnügungssucht veranstaltet wird.

Schlussfolgerung

« Ein Grossteil der Stierkampfanhänger möchte die Corrida in der Geschichte verwurzelt sehen, um daraus eine Tradition zu entwickeln, eine offensichtliche Strategie der Stierkampfanhänger in Frankreich, wo die Einführung der Corrida erst neueren Datums ist. Indem sie eine Verbindung zwischen Kreta, Mithras, der Provence und Spanien herstellen , glauben sie, dass die Corrida ein Teil der tiefverwurzelten Kultur der Bevölkerung des französischen Midi ist. »
Quelle : "LA CORRIDA" von Elisabeth HARDOUIN-FUGIER / Eric BARATAY - Collection "QUE SAIS-JE" Seite 6.


DIE ERSTEN SPIELE MIT STIEREN

Die ersten Stier- und Reiterspiele wurden gegen 1100 / 1200 in Spanien veranstaltet. Die Ritterschaft sah darin eine ausgezeichnete Gelegenheit, mit ihren Pferden für den Krieg zu üben. Erst mit dem 16. Jahrhundert wurden diese Spiele zu festlichen Anlässen, beispielsweise beim Empfang von Persönlichkeiten und zur Heiligsprechung, veranstaltet. Zu diesen Festen wurde eine « Plaza » mit Zuschauertribünen hergerichtet.
Man unterschied zwei Formen des Kampfspiels:
  • Lanzala : Der Stier greift den Reiter an. Dieser erwartet den Stier und tötet ihn, indem er ihm das Kleinhirn mit der Lanze durchbohrt.
  • Rejon : Diese Variante basiert auf der List und dem Ausweichen des Reiters vor dem Stier. Dieser Kampf war besonders mörderisch für alle Beteiligten: Blut, herausquellende Eingeweide dazu der Gestank der Exkremente und der herumliegenden Leichen.

Im Jahre 1700 saß Prinz PhilipP V., Enkel von Ludwig XIV., auf dem spanischen Thron. Die Bourbonen standen diesen Schauspielen sehr reserviert gegenüber. Die Aristokratie folgte natürlich der ablehnenden Meinung der königlichen Familie.
Neben Stierkämpfen zu Pferde gab es auch volkstümliche Stierkämpfe ohne Reiter. Sie fanden ohne feste Regeln anlässlich religiöser Feiern statt. Von einer entfesselten Menschenmenge angefeuert, wurden die Stiere schwer misshandelt.
Auch in anderen Ländern, wie England oder Italien, waren Stiere Opfer von öffentlichen Grausamkeiten. Nicht nur Stiere wurden damals zu Tode gequält: Man schlug Esel zu Tode, stieß Ziegen von Türmen, enthauptete Hühner bei Spielen etc.
Noch heute werden in Spanien diese Bräuche aus alten Zeiten gepflegt.


ANFÄNGE DES STIERKAMPFES

16. Jahrhundert amüsierten sich in Sevilla die Arbeiter im Schlachthaus damit, Stiere zu hetzen und ihnen auszuweichen, bevor sie geschlachtet wurden. Nach und nach verfeinerten sie die Technik des Ausweichens und des Tötens.
Zum großen Ärger der Behörden verfolgten zahlreiche Zuschauer, auf dem Dach kauernd, das Schauspiel. Während zwei Jahrhunderten versuchten die Behörden diese Praktiken zu verbieten, unter dem Vorwand, Sachschäden zu vermeiden. Ähnliche Spektakel wurden in Städten Andalusiens, Kastiliens und Navarras organisiert. Nach und nach wurde daraus eine Vollzeitbeschäftigung. Die ersten bezahlten Toreros waren ehemalige Arbeiter der Schlachthäuser. Eine Sitte bestand übrigens darin, den letzten Stier der Menge auszuliefern, die ihn dann massakrierte.

Zwischen 1730 und 1750 entstanden Regeln für die Corrida. Es wurden die Einteilung der Corrida in drei « tercio » und das rote Tuch des Matadors , die « muleta », eingeführt, und es entstanden die ersten Arenen. Aus seinem halbwilden Dasein wurde der Stier domestiziert und die erste genetische Auswahl wurde vorgenommen, um aus dem Stier einen angemessenen Kämpfer zu züchten. In erster Linie wurden diese Tiere von kirchlichen Orden (Dominikaner, Kartäuser) gezüchtet. Danach setzten weltliche Züchter die Vorherrschaft des andalusischen Stieres durch. Der teure Erwerb dieser Tiere erforderte, ihre Anzahl beim Stierkampf zu verringern. Im Gegensatz dazu hatten die Pferde der „picadores“, die nur dazu dienten, die ersten Stöße des Stieres abzufangen, keinen großen Wert.


AUSBREITUNG DES STIERKAMPFES

Amerika, Europa, Afrika

Die spanischen Eroberer brachten den Stierkampf nach Zentral- und Südamerika. Im Jahre 1529 importierte der „Conquistador“ CORTES die ersten Stiere in die Kolonien. Mehr noch als in Spanien unterstützte die Kirche dort den Stierkampf. Den Indianern gefiel er auch. Sie sahen darin einen Ersatz für ihre früheren Riten. Dennoch setzte sich der Stierkampf nur in spanisch beeinflussten Gebieten durch. Andere spanische Regionen oder Kolonien wehrten sich damals sogar dagegen ( Kanarische Inseln ,Galizien, Katalonien).
In Italien führte Papst Cesare BORGIA im 16. Jahrhundert den Stierkampf ein. England verbot die Stierkämpfe mit einem Gesetz gegen Grausamkeit (1835-1837). Der Islam verweigerte sich dem Stierkampf als Produkt der Kolonisation, aber auch aus religiösen Motiven.

Frankreich

Die Franzosen entdeckten die Corrida durch Erzählungen von Reisenden, die aus Spanien kamen, überwiegend Diplomaten und Adelige. Einige sahen darin nur die Schönheit der Kostüme, das Ambiente der Feste mit der Musik. Für andere war es nur ein grausames Schauspiel für unzivilisierte Menschen. Die Anwesenheit von Frauen und Kindern, die als besonders sensibel gelten, schockierte viele. Bekannte Gegner waren PEYROU, der Baron von BOURGOIN (1797), VOLTAIRE und MONTESQUIEU.

1820 : Spanien war zu dieser Zeit « à la mode ». Man speiste spanisch und man kleidete sich nach der spanischen Mode. Den Leuten gefielen spanische Stoffe, ebenso spanische Musik. Zahlreiche Opern stellten die Corrida in den Mittelpunkt, als bekannteste „Carmen“ von Bizet. Einige Romantiker, fasziniert vom Tod, der Grausamkeit und der Gewalt, bewunderten die Corrida. Im kaum industrialisierten Spanien gab es damals noch eine intakte Natur und urwüchsige Menschen wie im Mittelalter. Diese Exotik gefiel vielen Franzosen, die von der industriellen Moderne und seinen Nachteilen geschockt waren.
BYRON, Georges SAND und Victor HUGO waren die bekanntesten Gegner der Corrida.
Victor HUGO


SPIELE MIT STIEREN IN FRANKREICH

Bis zum 18. Jahrhundert waren die Stiere aus der Camargue nur für die Feldarbeit und nicht zum Vergnügen bestimmt. Vom Ursprung der Stierspiele in dieser Gegend ist sehr wenig bekannt. Es wird angenommen, dass diese bei der Kennzeichnung der Rinder zur Identifizierung begonnen haben. Dabei versuchten die Bauern, ihre Kräfte an den Stieren zu messen. Von der Presse wurde dieses nicht gern gesehen.
Nicht nur im Südwesten Frankreichs sowie in der Camargue und der Provence gab es diese Bräuche, sondern auch in nördlicheren Regionen (Paris, Rouen). Im Laufe der Jahre sind sie abwechselnd verboten und erlaubt worden, fanden jedoch immer die Unterstützung eines Teiles der Bevölkerung und der organisierenden Stadtverwaltungen.


EINFÜHRUNG DES STIERKAMPFES
IN FRANKREICH

1701

Erstmals wurde in Bayonne eine « course de taureaux » nach spanischer Art veranstaltet, als Philipp V. die Stadt besuchte. Jedoch nahm der spanische Stierkampf seinen richtigen Aufschwung ab 1852 mit der Veranstaltung einer Corrida ohne „picador“ in St. Esprit, vor den Toren Bayonnes

1853

In diesem Jahre wurden Stierkämpfe vollständig verboten. Jedoch hatte die Heirat von Napoleon III. mit Eugénie de Montijo, einer spanischen Aristokratin und überzeugten Stierkampfanhängerin, die Folge, dass die Kämpfe vorübergehend für 10 Jahre wieder erlaubt wurden. Die Corrida entwickelte sich an erster Stelle im Midi und im Südwesten Frankreichs und streckte dann ihre Fühler gen Norden aus (Paris, Reims, Le Havre, Roubaix). In jedem Falle war die Einführung der Stierkämpfe nicht einfach, denn sie verstieß gegen das geltende Recht. Sehr oft handelte es sich nicht um richtige Stierkämpfe , sondern vielmehr um groteske Spiele aus einer Mischung französischer und spanischer Gebräuche. Hierbei erfand Pouly de Beaucairi, ein bekannter „raseteur“, eine besondere Variante dieses Spiels mit Sprüngen, Passagen, Setzen der „bandarillas“ etc., bei welcher der Todesstoss nur vorgetäuscht wurde.

1860

Die spanische Mode war nicht mehr gefragt und das Publikum wurde weniger. Die Corridagegner erhielten Rückenwind mit einem großen Echo in der Pariser Presse. Prominente Leute, wie die Schriftsteller CLARETIE, BLOY, MIRBEAU und ZOLA, der Wissenschaftler RECLUS, der Politiker CLEMENCEAU und der Journalist ROCHFORT , lehnten mit Schärfe die Corrida ab. SEVERINE, Journalistin, Humanistin, Sozialistin und Christin, war als Verteidigerin der Unterdrückten, Arbeiter, Frauen und Tiere für die Stierkampfanhänger ein rotes Tuch. Die Kirche unterstützte damals noch die Stierkampfgegner.
Emile ZOLA

1890

Die Stierkämpfe fanden wieder mehr Interesse und die Organisatoren profitierten von der Unentschlossenheit und Unterstützung der Volksvertreter.
Die Tierschutzvereine versuchten zu prozessieren und wurden von den Gerichten mit der ungeheuerlichen Begründung abgewiesen, dass der Stier kein Haustier sei. Aber noch viel schlimmer : Die Arenen seien keine öffentlichen Plätze und außerdem wurde vor der Veranstaltung nicht mit dem Tod der Pferde geworben!

Um die Unklarheiten des Gesetzes zu beseitigen, forderten die Tierschutzvereine und Emile ZOLA eine Gesetzesänderung. Im Jahre 1900 reichten 155 Abgeordnete der Nationalversammlung eine Gesetzesvorlage ein, die vorsah, alle Kämpfe mit Tieren zu untersagen. Sie erreichten mit 414 Stimmen pro und 67 contra , dass die Vorlage im Eilverfahren geprüft werden sollte . Doch das Gesetzesvorhaben, dass in Eile dem zuständigen Parlamentsausschuss vorgelegt wurde, ging in dem Wust von Arbeit unter und gelangte nie zur Abstimmung. Ein zweiter Versuch misslang im Jahre 1911

1920

Die « courses de taureaux » wurden der Besteuerung unterworfen. Das bestärkte die Organisatoren, da damit die Corrida einen legalen Rahmen erhielt, was von der Justiz wohl verstanden wurde.

1951

Das Parlament stimmte für eine verhängnisvolle Änderung des Gesetzes « Grammont » , indem es den Satz „ Das gegenwärtige Gesetz ist nicht anzuwenden auf die « courses de taureaux », wenn eine ununterbrochene Tradition nachgewiesen werden kann.“ hinzufügte. Die Abgeordneten nahmen die Änderung nach einem besonderen parlamentarischen Verfahren an, dass keine Debatte und Abstimmung erfordert : Das Gesetz wird acht Tage lang im Parlament ausgehängt und wenn kein Abgeordneter Widerspruch einlegt, erlangt es Gesetzeskraft, nachdem es im Parlament noch einmal verkündet wurde. Der Senat, die zweite Kammer, nahm das Gesetz mit 221 gegen 42 Stimmen an.

Der Berichterstatter des Parlaments scheute sich nicht, das einzig wahre Argument zu verkünden :
Wir wollen hier natürlich nicht die Legitimität der « course » debattieren. Wir wollen auch keine Debatte über die Moral und Unmoral der « course de taureaux » auslösen. Ich möchte sagen, dass für uns in den südlichen Regionen (Frankreichs) ein wesentliches Interesse besteht, dass die « courses » unter normalen Bedingungen durchgeführt werden können. Für unsere Städte im Midi bedeuten diese eine bedeutende Einnahmequelle, nicht nur während des Sommers, im August, sondern schon ab Mai. Uns ist daran gelegen, die Touristen in Frankreich zu halten und dass die spanischen Touristen, die sich für « courses » interessieren, zu uns kommen, damit sie hier ihre Ferien verbringen . »

Gezeichnet : Dominique JORON

Anmerkung der Übersetzer: Der Begriff „courses de taureaux“ kann wörtlich mit „Stierrennen“ übersetzt werden, was jedoch nicht unbedingt auf den Stierkampf hindeutet. Diese Veranstaltungen finden hauptsächlich in der Camargue als „courses camarguaises“ und in den Landes als „courses landaises“ statt. Sie sind keine Stierkämpfe im blutigen Sinne des Wortes, aber ebenso bedenklich. Die französische Gesetzgebung und der allgemeine Sprachgebrauch schließen allerdings unter dem Begriff „courses de traureaux“ auch den blutigen Stierkampf mit Todesfolge ein.

Der stierkampf : die missachtung des tierrechts

BEWEGGRÜNDE DER STIERKAMPFBESUCHER

Das Spektakel der Corrida, vom der das Fernsehen immer nur Bruchstücke überträgt und damit die Grausamkeit und Gewalttätigkeit verschleiert, erweckt die Neugier der Zuschauer. Es vernebelt den entsetzlichen Aspekt der Corrida und versteht es dadurch, die Begeisterung eines scheinbar friedlichen Publikums zu wecken. Es wendet sich an tiefliegende perverse Instinkte des Individuums.

Hinzu kommt das moderne virtuelle Umfeld, das die sozialen Beziehungen radikal verändert hat und den Menschen unter dem Deckmantel einer unechten Kommunikation immer mehr isoliert.
In diesem Sinne versteht es das Stierkampfgeschäft, sich ein positives Image zu verschaffen, das diametral im Gegensatz zur Grausamkeit und zur Übertretung der geltenden Gesetze steht, und was nicht einmal geahndet wird. Beides führt zu Ausschreitungen während der Feria, bei der Alkohol in Strömen fließt.

Wir unterscheiden vier Gruppen von Zuschauern beiderlei Geschlechts:
1. Die« aficionados » (Bedingungslose Anhänger der Tierquälerei)
2. Die Neugierigen (Touristen und Neulinge)
3. Die Schickeria (Prominente aus allen Gesellschaftskreisen)
4. Die Politiker (alle politischen Richtungen einschließlich der Grünen)

1 - Die «AFICIONADOS »

Laut Berichten der Presse gibt es davon etwa 5000 in ganz Frankreich. Diese Leute sind seit ihrer Kindheit im Milieu der Corrida zu Hause. Sie leben ständig unter ihrem Einfluss und sind zur Selbstkritik unfähig. Sie können sich nicht eingestehen, dass schon ihre Eltern in diesem Punkt versagt haben und dass ihre Leidenschaft verachtenswert ist.
Ihre Erziehung hat ihnen nicht erlaubt, Tieren eine höheren Stellenwert einzuräumen, und was sie bei der Corrida erlebten, war für sie zwangsläufig legitim.

2 – Die NEUGIERIGEN

Das sind die gelegentlichen Besucher, die sich von der marktschreierischen und betrügerischen Werbung einfangen lassen. Touristen, die hauptsächlich aus nördlichen Gegenden kommen, sind sehr schnell entsetzt, wenn sie die Wirklichkeit entdecken. Sie meiden danach die Arenen, haben aber mit ihrem Besuch schon die Corrida moralisch und finanziell unterstützt, was der Stierkampf zum Überleben unbedingt braucht. Sicherlich wird ein winziger Anteil einmal den « aficionades » zugerechnet werden können. Der Tourist, dem es an wirklichen Sensationen mangelt, besucht die Ferias, weil er hier seinen Gefühlen freien Lauf und sich von mittelmäßigen stereotypen Veranstaltungen verführen lassen kann. Damit wird ihm eine fremde Kultur übergestülpt, und er wird zur Ablenkung vom grausamen Geschehen mit Flamenco und Paëlla überfüttert.

3 - Die SCHICKERIA

Mit dem Lancieren von Modeströmungen durch die Medien wird das Denken der Menschen stark manipuliert. So ist es in gewissen Kreisen der Gesellschaft besonders schick, sich stolz als « aficionados » zu bekennen. Eine Gruppe von Pseudo-Intellektuellen , ein Gemisch aus Künstlern ,Lehrern, Journalisten, Schriftstellern, Juristen, Psychologen, Psychiatern, Geistlichen ( besonders katholischen : Bruguès, Cadilhac), kurz Leute, die sich als Denker fühlen, bekennen ihre Corrida-Leidenschaft. Sie sind bei weitem die Gefährlichsten, denn sie sind es, die der Corrida ihre Weihen geben, indem sie die Argumente für den Stierkampf verfeinern und ihn damit rechtfertigen. Sie erlauben so den ungebildeten „afficionades“ gebetsmühlenartig dasselbe Gefasel zu wiederholen , mit dem sie unsere Ohren mit der Corrida als „ Tradition“, „ Kunst“ oder „Kultur“ volldröhnen. Sie versuchen damit die Gewalttätigkeit und Grausamkeit zu verschleiern, die das eigentliche Wesen des Stierkampfes ausmachen. Zur Unterstützung zitieren sie große Namen wie Hemmingway, Cocteau, Eluard, Char und natürlich Picasso! Sie nennen unaufhörlich Goya , den sie uns immer wieder mit verschiedenen Soßen garniert, als Zeugen auftischen, als ob er sich mit den Themen , die er darstellte und beschrieb, identifizierte. Sie reden von der Antike, die sie bis in die Vorgeschichte verfolgen und versuchen, eine Verbindung mit dem 21. Jahrhundert herzustellen, indem sie verzweifelt nach dem « missing link » suchen. Sie ziehen prominente Leute mit wenig Format in ihr Kielwasser, die davon faseln, etwas « Unsägliches », « Unbeschreibbares » zu spüren, wenn sie sich am mörderischen Spektakel ergötzen. Das zeugt von grosser Unverantwortlichkeit , Dekadenz und Aberglauben.

4 – Die POLITIKER

Sie glauben vor allem, mit der Corrida Wählerstimmen zu gewinnen! Aber nicht nur das !
Da wir wissen, dass es in der Politik nichts gratis gibt, versuchen wir, die Beweggründe zu verstehen. Dabei stellen sich folgende Fragen :
- Welches sind die Gründe dafür, dass die verschiedenen politischen Ebenen (Departement und Region) sich in die Finanzierung von Stierkampfschulen einmischen und die Ferias unterstützen ?
- Welches sind die Gründe dafür, dass sie auf allen Gebieten ihrer Zuständigkeit für die Corrida werben (Schauspiel, Reisen, Ausstellungen, Filme, Reportagen, Öffentlichkeitsarbeit etc.) ?
- Wie erklärt sich in der Nationalversammlung die Gründung einer Arbeitsgruppe aller politischen Richtungen, um den Stierkampf zu verteidigen ? Immerhin gehören 80 Abgeordnete dazu!
- Wie erklärt sich die Tatsache, dass unter Politikern die Corrida in letzter Zeit ein einvernehmlicher Gegenstand geworden ist?
- Aus welchen Gründen sponsern sie die Corrida mit den Geldern der Steuerzahler, die zum großen Teil die Corrida ablehnen ?
- Aus welchen Gründen wird für die Corrida Propaganda in öffentlichen und privaten Schulen betrieben, indem regelmäßig Schüler zu den „courses camarguaises“ eingeladen werden? Diese sind nichts anderes als ein Sprungbrett zur Corrida!
- Warum werben an den Schulen Spanischlehrer für die Corrida?

SCHLUSSFOLGERUNG

Wir stellen fest, dass sich die Beweggründe der erwachsenen und jugendlichen Zuschauer auf einem sehr niedrigen moralischen Niveau bewegen. Das wird jedoch von den bedingungslosen Anhängern sorgfältig verwischt, um jegliche Selbsterkenntnis zu vermeiden.

ABSCHLIESSENDE BETRACHTUNG

Die bevorzugte Stellung, welche die Corrida heute in den Medien einnimmt, führt dazu, alle die zu entlasten, die an dem Schauspiel teilnehmen. Wir müssen also die Frage nach dem Bedarf an Gewalttätigkeit in unserer Gesellschaft stellen. Der Stierkampf ist ein Ausdruck der Brutalität und dazu ein Beispiel für das Gesetz des Stärkeren. Die Schlächter, in Gestalt der Matadores, werden von den Medien als Helden gefeiert, von denen sich junge und beeinflussbare Menschen mit schwachem Urteilsvermögen leicht faszinieren lassen. Werden sie ihre Überzeugung aufgeben, wenn sie eines Tages den Respekt vor dem Leben verinnerlicht haben und wenn eine heranwachsende Generationen mit einer anderen moralischen Sicht, diesen Anachronismus unwiderruflich verurteilt?
Wir müssen daher durch gewissenhafte Informationsarbeit unseren Beitrag dazu leisten, diesem unerhörten Schwindel die Maske vom Gesicht zu reißen.

Gezeichnet : Josyane QUERELLE


Der Stier ist ein friedlicher Pflanzenfresser, der selten Menschen angreift und eher vor ihnen flieht. Er wird nur aggressiv, wenn man ihn von seinen Artgenossen isoliert und in eine Arena sperrt, wo Schläge und Verletzungen ihn dazu zwingen, sich zu verteidigen. Die Corrida ist die brutale Bestätigung für die Auffassung, dass Tiere, auch als Haustiere, keine Rechte haben und dass der Mensch sich ihnen gegenüber alles erlauben darf, sogar es aus reinem Vergnügen zu Tode zu quälen. Solange Tierquälerei ein durch die Medien angepriesener Zeitvertreib bleibt, wird es auch ganz normal sein, Tiere aus Profitstreben (Massentierhaltung) oder für die medizinische Forschung zu misshandeln


Leidet ein Pferd oder ein Rind ebenso wie wir Menschen ? Antwort : Ja, natürlich ! Ein einfacher Insektenstich genügt, um Tiere wild werden zu lassen. Die unwillige Reaktion von Rindern gegenüber einem Dreispitz, oder von Pferden gegenüber Sporen oder Peitsche zeigt ihre ausgeprägte Sensibilität.
Der Sadismus während eines Stierkampfes betrifft nicht die Tiere allein. Die Zuschauer stacheln nicht nur zögernde Stiere auf, sondern buhen auch einen unentschlossenen Torero aus, was darauf hindeutet, dass sie auch ihn am liebsten aufgeschlitzt sehen möchten. Die menschliche Natur enthält eine Aggressivität, die, wenn sie nicht gezähmt wird, in Sadismus abgleitet. Die Corrida beschränkt sich nicht nur darauf, Gewalt, Blutvergießen, Folter und Mord zu banalisieren. Im Gegenteil, die Corrida verherrlicht die mörderische Brutalität und weist ihr einen hohen Rang in der Kultur und in den schönen Künsten zu. Sie preist, unterstützt und festigt den Sadismus !

Missachtung von Hygienevorschriften


Photo Roberto Rinaldo
novillada de Rieumes / sept 2002
Dieses Bild zeigt, wie ein Stier nach der Novillada von Rieumes bei Toulouse außerhalb eines Schlachthofes aufgeschnitten wird. Das so gewonnene Fleisch wird in den örtlichen Metzgereien und Restaurants zum Verkauf angeboten. Auch in anderen Corrida-Städten gelangt das Fleisch der Opfer in den Handel. Wir wünschen allen Touristen einen guten Appetit!
Nach den Vorschriften der EU ist dieses nicht statthaft. Die Tötung und Zerlegung von Tieren muss unter veterinär-medizinischer Kontrolle in einem Schlachthof stattfinden. Außerdem muss bei Rückenmarkverletzungen (während der Corrida) der Rumpf des Stieres entsorgt werden, da die Gefahr der Infizierung durch BSE besteht. Die französischen Behörden tolerieren diese gesundheitsgefährdende Praxis! Proteste bei der Europäischen Kommission waren bisher ergebnislos, sollten jedoch weiterhin, auch außerhalb der Grenzen Frankreichs, verfolgt werden!


Direkte Aktion:

  • an Wissenschaftler
  • an Professoren
  • an Schriftsteller
  • an Nobel-Preisträger
  • an engagierte Filmemacher
  • etc.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sicherlich sind Sie oft das Ziel von zahlreichen Bitten und Eingaben unterschiedlicher Natur, denen Sie sich kaum erwehren können. Dennoch erlauben Sie uns bitte, Ihnen unsere Angelegenheit, die von besonderer Ernsthaftigkeit ist, darzulegen: Uns geht es um die grausame Tierquälerei beim Stierkampf!

Die Stierkampf-Lobby hat seit einiger Zeit eine ungeheure Offensive auf europäischer Ebene eröffnet, die darauf abzielt, dem Stierkampf die Weihen eines edlen Kampfsports zu verleihen. Der Stierkampf ist im Gegenteil ein extrem grausames und blutiges Schauspiel, das die niedrigsten Instinkte weckt, die demokratischen Regeln pervertiert und zur Korruption verleitet. Wir glauben, dass solche zivilisationsverachtenden Veranstaltungen nirgendwo auf der Welt mehr stattfinden sollten!

Obwohl wir seitens der Medien einer großen Missachtung und einer drastischen Zensur ausgesetzt sind, haben wir versucht, im Rahmen unserer bescheidenen Mittel die Öffentlichkeit aufzuklären. Diese wird von den hiesigen Medien, die sich als Sprachrohr einer mehr als diskutablen "Kultur" und "Tradition" einspannen lassen, manipuliert.

Insbesondere haben wir wiederholt die Abgeordneten unseres Landes gewarnt, indem wir ihnen Dokumente unterbreitet haben, welche die mafiosen Machenschaften dieses Staates im Staate, den die Stierkampf-Lobby auf internationaler Ebene bildet, aufzeigen. Leider hat sich bis heute unser Aktivposten auf diesem Gebiet nur gering erhöht.

Aus diesem Grunde überreichen wir Ihnen das "Manifest 2003 gegen den Stierkampf", welches wir demnächst veröffentlichen werden. Wir wären Ihnen außerordentlich dankbar, wenn Sie davon Kenntnis nähmen und im Falle Ihrer Zustimmung Ihre Unterschrift beitragen würden.

In dieser Erwartung und in der Überzeugung, das unsere Aufruf bei Ihnen ein zustimmendes Echo hervorgerufen hat, verbleiben wir

mit freundlichen Grüssen

Josyane Querelle
Amtierende Präsidentin der F.L.A.C.

Wenn Sie dieses Manifest unterschreiben möchten, wären wir Ihnen sehr dankbar, mit uns Verbindung aufzunehmen.
FLAC
BP 16
34301 AGDE Cedex
France

federation@flac-anticorrida.org

aaaaaaaaaaaaaa
MANIFEST 2003 GEGEN DEN STIERKAMPF

Präambel Der Respekt vor allen Lebewesen auf der Erde ist ein fundamentaler Wert dieses Universums !

Deshalb stellen wir fest,

dass Gewalttätigkeiten und willkürliche Diskriminierung der Zivilisation widersprechen,

dass das Vergnügen auf Kosten von Lebewesen nicht im Einklang mit der Zivilisation steht,

dass die Notlage von Lebewesen, wo sie auch herrührt, nicht hingenommen werden kann,

dass Gewalt zum Gewinnstreben und zum Vergnügen die schlimmste Form der Gewalt ist,

dass das Hineinziehen von Heranwachsenden in Veranstaltungen, in denen Gewalt ausgeübt wird, das Gegenteil von Zivilisation darstellt,

dass ein empfindliches Lebewesen aus seinem natürlichen Umfeld zu entreissen und es unter unnatürlichen Bedingungen mutwilligen Tierquälern auszusetzen, die schlimmste Gewalt ist,

dass die Missachtung von Gesetzen, die Grausamkeit und Tierquälerei verdammen, von einem schwerwiegenden Mangel an Respekt vor dem Leben zeugt,

dass zweifelhafte Beeinflussung von Abgeordneten durch die Stierkampf-Lobby eine Verletzung ihres Amtseides darstellt,

dass auf den Stierkampf alle genannten schwerwiegenden Argumente zutreffen!

Als Unterzeichnete
.....................................................................
erkläre ich in der Eigenschaft als .........................................

, dass der Stierkampf vollkommen den
grundsätzlichen Werten der Menschheit und dem Respekt vor dem Leben entgegen steht.

Deshalb fordere ich,
dass : der Gesetzgeber keine Verletzung von Gesetzen, die Tiere vor Quälereien und Misshandlungen durch Menschen schützen, zulässt,
dass : Abgeordnete (aller Nationalitäten!), die dem Stierkampf frönen, ihre Position zu überprüfen und das grausame Spektakel anzuprangern,
dass : die Parlamentarier, insbesondere die europäischen, den Corrida-Veranstaltern keine direkten und indirekten Subventionen mehr zukommen lassen,
dass : die Medien Schluss machen mit der unglaublichen Propaganda für Sadismus und Grausamkeit, wie es der Stierkampf darstellt, und den Gegnern des grausamen Schauspiels angemessen Raum für die Darstellung ihrer Belange einräumt

Ort/Land : :...............................................................

Datum :.......................................................................

Unterschrift

a

Adresse:
Strasse: .................................................................
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PLZ/Ort: .................................................................................
Land : ...........................................
Tél : ..................................... Fax : ..........................
E-mail : ....................................

Tierquälerei beim Stierkampf :
Wie Ästhetik Ethik begründet.
Es soll schon mal vorkommen, dass Intellektuelle in Streitgesprächen und auch sonst mit ihren Ideen ihrem Zeitalter wichtige Impulse geben, neue Wege aufweisen und damit beispielslose Werte und fruchtbare Konzepte schaffen. Doch auch diese Leute verirren sich oftmals in ihren Gedankengängen und setzen dürftige Ideen in die Welt, wovor sie ihre Intelligenz nicht schützt.

Die "Ecole Normale Supérieure", eine der berühmten französischen Eliteschulen, die sich mit den Attributen "normal" und "höher" schmückt, veranstaltete im Dezember 2005 ein Kolloquium über die "Ethik und Ästhetik" des Stierkampfs.

Stellen wir vorerst einmal fest, dass die Adepten des Stierkampfs, wenn sie Kongresse, Kolloquien oder Studientage über ihr grauenhaftes Thema veranstalten, niemals eine pluralistische und widersprüchliche Debatte zulassen. Der Stierkampf und die Jagd sind für sie unantastbar und nur diejenigen, die Loblieder darüber singen, werden eingeladen, um dann natürlich nur positiv über das Thema zu palavern. Tierschützer dazu einzuladen und sich deren Argumenten zu stellen, steht außer Frage. Nur primitive Propaganda ist erlaubt.

Immerhin hob ein Teilnehmer dieses "gehobenen" und "würdigen" Universitätsforum mit der These ab, dass "die Ästhetik des Stierkampfes seine ethische Grundlage ist". Dieser Redner wusste zweifellos nicht, dass der deutsche Philosoph WALTER BENJAMIN, der sich 1940 das Leben nahm, um nicht in die Händen seiner Häscher zu fallen, in seiner aussichtslosen Lage die Welt mit seiner treffenden Analyse, dass die Nazis die Ästhetisierung der Politik erfunden haben, alarmierte.

Schon in den dreißiger Jahren gab es viele Schriftsteller, Professoren und Wissenschaftler, die sich von dieser Ästhetisierung der Politik verführen ließen. Zahlreiche "Intellektuelle" dieser Jahre ließen sich kritiklos von den Liedern und melodiösen Gesängen, Kostümen, Fackelumzügen und Fahnen, sowie dem kollektiven Wahn der fanatischen Menschenmenge, den bombastischen Zeremonien mit verführerischen Reden mitreißen.

Auch die Corrida verführt mit den gleichen Mechanismen, nämlich mit dem "costume de lumière" der Toreros, den Fanfaren, dem bunten Aufmarsch und dem Rendezvous mit dem Tod nicht nur die Massen sondern auch diese Philosophen, die sich einbilden, die Folter von empfindsamen Lebewesen durch ihren abgeschmackten Ästhetizismus rechtfertigen zu müssen.

Hat die Menschheit seitdem nichts hinzugelernt? Hat man immer noch nicht begriffen, dass die Geringschätzung des Mitgefühls Unheil und Entwürdigung verursacht? Wie auch immer das Dekor ist, die Akteure bleiben Mörder.

Keine vernebelnde Wortgeschwülste, keine pseudokulturelle Tarnung, keine banale Rechtfertigung durch unverantwortliche Prominente werden dem Stierkampf die Anrüchigkeit des Verbrechens nehmen.

Die blutigen Riten des Stierkampfes besudeln unser Zeitalter. Verschleiert durch den Rauch der hohlen Worte, verborgen hinter dem Licht, dem Getöse und den Gesten dieser kleinen GOEBBELS, die sich am Tod vergnügen, vollzieht sich das ungeheuerliche Leiden von Tieren. Das darf niemals hingenommen werden!

Die Tatsache, dass in unserer Gesellschaft Jagd und Stierkampf noch existieren, beweist, dass wir noch viel machen müssen, um sich nicht mehr anderen Arten überlegen zu fühlen. Diese Praktiken ignorieren, dass Tiere empfindsame Lebewesen sind und treten gleichermaßen die Würde des Menschen mit Füssen. Schon der gute und geniale VICTOR HUGO sagte, dass Foltern von Stieren dem Foltern des Gewissens gleich kommt.
Sollten wir nicht das Postulat der Faschisten und Folterknechte einfach umkehren und an dessen Stelle proklamieren, das allein der Respekt vor Lebewesen als Ethik die Ästhetik des Lebens begründet?

Gérard CHAROLLOIS
Präsident der CONVENTION VIE ET NATURE POUR UNE ECOLOGIE RADICALE.

Stierkampf für deutsche Besartungstruppen in Bayonne 1942
Source : Croa 33
In einer Radiosendung von France Inter am Donnerstag, den 1.Juni 2006 um 13.30 Uhr, erklärte ein vom Stierkampf begeisterter Reporter mitleidvoll "Ja, der Stier leidet - ja, er stirbt einen scheußlichen Tod" und versuchte dann, die Grausamkeit des Stierkampfs mit seiner Bodenhaftigkeit, der Einheit von "Land und Volk", und der Verbundenheit des "Volkes des Südens mit seiner Kultur" zu entschuldigen. Kommt uns dieses nicht irgendwie bekannt vor? "Ein Reich, ein Volk..." Fehlt da nicht noch etwas?

Er ist nicht der Erste, der die Barbarei mit nationalen Argumenten rechtfertigt, denen dann die bekannten Unglücksfälle der Geschichte mit Rassenhass als Beigabe auf dem Fuße folgen.

Die Geschichte ist leider reich davon, und immer geht es in die gleiche Richtung. Es wird immer wieder versucht , das Volk, die Gemeinschaft zu beschwören: "Mein Stadtviertel! Meine Bande!" , "Mein Volk! Meine Religion !" Und schließlich endet alles im Streit und Krieg.

"Volk des Südens": Was ist denn der Süden? Wessen und welcher Süden? Wo beginnt er? Wie viel Länder gibt es allein in Europas Süden, die nichts mit dem Stierkampf zu tun haben? Der Rest unseres Planeten liegt fast nur im Süden, in dessen Norden wir liegen!

Und noch etwas. Darf man dann überhaupt noch im Süden Frankreichs leben, ohne dort geboren zu sein. Oder kann man dort geboren sein, ohne den Stierkampf zu akzeptieren? Gehört der Süden Frankreichs jemanden? Dort geboren zu sein oder dort zu leben, bedeutet das, dass man damit automatisch Gene für den Sadismus des Stierkampfs geerbt hat ?

Diese Hirngespinste haben die abwegigen Ideologien des 19. und Anfang des 20. Jahrhundert geprägt und leben , wie man weiß, hier und dort immer wieder mit denselben trostlosen Folgen auf. Der Stierkampf ist eine der gefährlichsten Erscheinungen, in dessen Geleit überkommende Traditionen, rituelle Zeremonien mit Begriffen wie "Schönheit des Kampfes", "Bewahrung der Rasse", "Verherrlichung des Todes", "Kraft der Symbole" und andere morbide verführerische populistische Täuschungsmanöver einher gehen.

Denis Boulbès

INHALT
ETHIK

Beweggründe der Stierkampfbesucher

Der stierkampf ist ein hindernis für die verbesserung der lebensbedingungen aller tiere

Schule des Sadismus

Manifest 2003 gegen den Stierkampf

Tierquälerei beim Stierkampf :
Wie Ästhetik Ethik begründet.

Barbarei und Nationalismus