INHALT GESCHICHTE
|
Da vor dem 11. Jahrhundert keine Quellen vorliegen, gibt es die unterschiedlichsten Vermutungen über den Ursprung des Stierkampfes.
Diese These wies die Erfindung von Stierkämpfen den Mohammedanern zu, die während sieben Jahrhunderten ( vom 8. bis 15. Jahrhundert) Spanien besetzt hielten. Diese These wurde im 19. Jahrhundert fallen gelassen. Da die Kämpfe von der Kirche verboten wurden, wären sie nur vom nichtchristlichen Bevölkerungsteil ausgeübt worden. Es wäre also eine spanische Besonderheit, denn in keiner anderen Region, die von Muslims beherrscht wurde, gab es Stierkämpfe.
Im 18. Jahrhundert schrieb ein ansteigendes Interesse für die Antike den Ursprung des Stierkampfes den Römern zu. Diese These ignorierte die Tatsache, dass mit anderen Tieren als Stieren gekämpft wurde. Auch in bildlichen Darstellungen aus dieser Zeit gibt es keinerlei Hinweise auf Kämpfe mit Stieren. Die römischen Krieger kämpften mit Raubtieren wie Löwen oder Bären und maßen sich nicht mit Pflanzenfressern, für welche die Bezeichnung « Raubtier » keinesfalls zutrifft. Die Stierkampfanhänger des 19. Jahrhunderts veranstalteten, da sie an einen römischen Ursprung glaubten, ihre Stierkämpfe in restaurierten römischen Arenen Südfrankreichs. Übrigens gibt es keine Erklärung, wie sich aus den römischen Kampfspielen der Stierkampf entwickelt hat
Im Jahre 1900 schrieb Angel ALVAREZ , Professor für Religionsgeschichte an der Universität Madrid, seine These über die Mythen und Riten des Stieres im Mittelmeerraum. Danach sollte der Stierkampf von minoischen Spielen, einer Art akrobatischer Vorstellung mit dem Stier, abstammen. Die Stierkampfanhänger griffen diese Theorie auf, da für sie alles, was damals mit Stieren zu tun hatte, mehr oder weniger Stierkampf bedeutete. Welche Verwirrung! Auch hier gibt es keine Erklärung für die Überlieferung.
Dieser Kult wurde durch die Arbeiten von CUMONT bekannt und von BARONCELLI im Jahre 1924 und MONTHERLANT im Jahre1926 als Stierkampfritus umgedeutet. Für den Letzteren handelte es sich um die Opferung eines Stieres , mit dessen Blut man sich zur Regeneration begoss. Indem man sich mit der Haut des Stieres bekleidete, ließ man dessen Tugenden in sich eindringen, um damit Sonne und Welt zu retten!
Graf LAS NAVAS (1855-1935) schließlich wollte den Ursprung des Stierkampfes in den Anfängen der Menschheit sehen, indem er sich auf die prähistorische Jagd auf den Auerochsen bezog. Verschwieg der Autor nicht absichtlich, dass in vorgeschichtlicher Zeit die Jagd eine Überlebensnotwendigkeit war und nicht nur die Jagd auf den Auerochsen? Das hat nichts mit dem Stierkampf zu tun, der nur zum Gewinnstreben und aus Vergnügungssucht veranstaltet wird.
« Ein Grossteil der Stierkampfanhänger möchte die Corrida in der Geschichte verwurzelt sehen, um daraus eine Tradition zu entwickeln, eine offensichtliche Strategie der Stierkampfanhänger in Frankreich, wo die Einführung der Corrida erst neueren Datums ist. Indem sie eine Verbindung zwischen Kreta, Mithras, der Provence und Spanien herstellen , glauben sie, dass die Corrida ein Teil der tiefverwurzelten Kultur der Bevölkerung des französischen Midi ist. » Quelle : "LA CORRIDA" von Elisabeth HARDOUIN-FUGIER / Eric BARATAY - Collection "QUE SAIS-JE" Seite 6.
Die ersten Stier- und Reiterspiele wurden gegen 1100 / 1200 in Spanien veranstaltet. Die Ritterschaft sah darin eine ausgezeichnete Gelegenheit, mit ihren Pferden für den Krieg zu üben. Erst mit dem 16. Jahrhundert wurden diese Spiele zu festlichen Anlässen, beispielsweise beim Empfang von Persönlichkeiten und zur Heiligsprechung, veranstaltet. Zu diesen Festen wurde eine « Plaza » mit Zuschauertribünen hergerichtet.
Im Jahre 1700 saß Prinz PhilipP V., Enkel von Ludwig XIV., auf dem spanischen Thron. Die Bourbonen standen diesen Schauspielen sehr reserviert gegenüber. Die Aristokratie folgte natürlich der ablehnenden Meinung der königlichen Familie. Neben Stierkämpfen zu Pferde gab es auch volkstümliche Stierkämpfe ohne Reiter. Sie fanden ohne feste Regeln anlässlich religiöser Feiern statt. Von einer entfesselten Menschenmenge angefeuert, wurden die Stiere schwer misshandelt. Auch in anderen Ländern, wie England oder Italien, waren Stiere Opfer von öffentlichen Grausamkeiten. Nicht nur Stiere wurden damals zu Tode gequält: Man schlug Esel zu Tode, stieß Ziegen von Türmen, enthauptete Hühner bei Spielen etc. Noch heute werden in Spanien diese Bräuche aus alten Zeiten gepflegt.
16. Jahrhundert amüsierten sich in Sevilla die Arbeiter im Schlachthaus damit, Stiere zu hetzen und ihnen auszuweichen, bevor sie geschlachtet wurden. Nach und nach verfeinerten sie die Technik des Ausweichens und des Tötens.
Zwischen 1730 und 1750 entstanden Regeln für die Corrida. Es wurden die Einteilung der Corrida in drei « tercio » und das rote Tuch des Matadors , die « muleta », eingeführt, und es entstanden die ersten Arenen. Aus seinem halbwilden Dasein wurde der Stier domestiziert und die erste genetische Auswahl wurde vorgenommen, um aus dem Stier einen angemessenen Kämpfer zu züchten. In erster Linie wurden diese Tiere von kirchlichen Orden (Dominikaner, Kartäuser) gezüchtet. Danach setzten weltliche Züchter die Vorherrschaft des andalusischen Stieres durch. Der teure Erwerb dieser Tiere erforderte, ihre Anzahl beim Stierkampf zu verringern. Im Gegensatz dazu hatten die Pferde der „picadores“, die nur dazu dienten, die ersten Stöße des Stieres abzufangen, keinen großen Wert.
Die spanischen Eroberer brachten den Stierkampf nach Zentral- und Südamerika. Im Jahre 1529 importierte der „Conquistador“ CORTES die ersten Stiere in die Kolonien. Mehr noch als in Spanien unterstützte die Kirche dort den Stierkampf. Den Indianern gefiel er auch. Sie sahen darin einen Ersatz für ihre früheren Riten. Dennoch setzte sich der Stierkampf nur in spanisch beeinflussten Gebieten durch. Andere spanische Regionen oder Kolonien wehrten sich damals sogar dagegen ( Kanarische Inseln ,Galizien, Katalonien). In Italien führte Papst Cesare BORGIA im 16. Jahrhundert den Stierkampf ein. England verbot die Stierkämpfe mit einem Gesetz gegen Grausamkeit (1835-1837). Der Islam verweigerte sich dem Stierkampf als Produkt der Kolonisation, aber auch aus religiösen Motiven.
Die Franzosen entdeckten die Corrida durch Erzählungen von Reisenden, die aus Spanien kamen, überwiegend Diplomaten und Adelige. Einige sahen darin nur die Schönheit der Kostüme, das Ambiente der Feste mit der Musik. Für andere war es nur ein grausames Schauspiel für unzivilisierte Menschen. Die Anwesenheit von Frauen und Kindern, die als besonders sensibel gelten, schockierte viele. Bekannte Gegner waren PEYROU, der Baron von BOURGOIN (1797), VOLTAIRE und MONTESQUIEU.
Bis zum 18. Jahrhundert waren die Stiere aus der Camargue nur für die Feldarbeit und nicht zum Vergnügen bestimmt. Vom Ursprung der Stierspiele in dieser Gegend ist sehr wenig bekannt. Es wird angenommen, dass diese bei der Kennzeichnung der Rinder zur Identifizierung begonnen haben. Dabei versuchten die Bauern, ihre Kräfte an den Stieren zu messen.
Von der Presse wurde dieses nicht gern gesehen. Nicht nur im Südwesten Frankreichs sowie in der Camargue und der Provence gab es diese Bräuche, sondern auch in nördlicheren Regionen (Paris, Rouen). Im Laufe der Jahre sind sie abwechselnd verboten und erlaubt worden, fanden jedoch immer die Unterstützung eines Teiles der Bevölkerung und der organisierenden Stadtverwaltungen.
Erstmals wurde in Bayonne eine « course de taureaux » nach spanischer Art veranstaltet, als Philipp V. die Stadt besuchte. Jedoch nahm der spanische Stierkampf seinen richtigen Aufschwung ab 1852 mit der Veranstaltung einer Corrida ohne „picador“ in St. Esprit, vor den Toren Bayonnes
In diesem Jahre wurden Stierkämpfe vollständig verboten. Jedoch hatte die Heirat von Napoleon III. mit Eugénie de Montijo, einer spanischen Aristokratin und überzeugten Stierkampfanhängerin, die Folge, dass die Kämpfe vorübergehend für 10 Jahre wieder erlaubt wurden. Die Corrida entwickelte sich an erster Stelle im Midi und im Südwesten Frankreichs und streckte dann ihre Fühler gen Norden aus (Paris, Reims, Le Havre, Roubaix). In jedem Falle war die Einführung der Stierkämpfe nicht einfach, denn sie verstieß gegen das geltende Recht. Sehr oft handelte es sich nicht um richtige Stierkämpfe , sondern vielmehr um groteske Spiele aus einer Mischung französischer und spanischer Gebräuche. Hierbei erfand Pouly de Beaucairi, ein bekannter „raseteur“, eine besondere Variante dieses Spiels mit Sprüngen, Passagen, Setzen der „bandarillas“ etc., bei welcher der Todesstoss nur vorgetäuscht wurde.
Die Stierkämpfe fanden wieder mehr Interesse und die Organisatoren profitierten von der Unentschlossenheit und Unterstützung der Volksvertreter. Die Tierschutzvereine versuchten zu prozessieren und wurden von den Gerichten mit der ungeheuerlichen Begründung abgewiesen, dass der Stier kein Haustier sei. Aber noch viel schlimmer : Die Arenen seien keine öffentlichen Plätze und außerdem wurde vor der Veranstaltung nicht mit dem Tod der Pferde geworben! Um die Unklarheiten des Gesetzes zu beseitigen, forderten die Tierschutzvereine und Emile ZOLA eine Gesetzesänderung. Im Jahre 1900 reichten 155 Abgeordnete der Nationalversammlung eine Gesetzesvorlage ein, die vorsah, alle Kämpfe mit Tieren zu untersagen. Sie erreichten mit 414 Stimmen pro und 67 contra , dass die Vorlage im Eilverfahren geprüft werden sollte . Doch das Gesetzesvorhaben, dass in Eile dem zuständigen Parlamentsausschuss vorgelegt wurde, ging in dem Wust von Arbeit unter und gelangte nie zur Abstimmung. Ein zweiter Versuch misslang im Jahre 1911
Die « courses de taureaux » wurden der Besteuerung unterworfen. Das bestärkte die Organisatoren, da damit die Corrida einen legalen Rahmen erhielt, was von der Justiz wohl verstanden wurde.
Das Parlament stimmte für eine verhängnisvolle Änderung des Gesetzes « Grammont » , indem es den Satz „ Das gegenwärtige Gesetz ist nicht anzuwenden auf die « courses de taureaux », wenn eine ununterbrochene Tradition nachgewiesen werden kann.“ hinzufügte. Die Abgeordneten nahmen die Änderung nach einem besonderen parlamentarischen Verfahren an, dass keine Debatte und Abstimmung erfordert : Das Gesetz wird acht Tage lang im Parlament ausgehängt und wenn kein Abgeordneter Widerspruch einlegt, erlangt es Gesetzeskraft, nachdem es im Parlament noch einmal verkündet wurde. Der Senat, die zweite Kammer, nahm das Gesetz mit 221 gegen 42 Stimmen an.
Der Berichterstatter des Parlaments scheute sich nicht, das einzig wahre Argument zu verkünden : Gezeichnet : Dominique JORON Anmerkung der Übersetzer: Der Begriff „courses de taureaux“ kann wörtlich mit „Stierrennen“ übersetzt werden, was jedoch nicht unbedingt auf den Stierkampf hindeutet. Diese Veranstaltungen finden hauptsächlich in der Camargue als „courses camarguaises“ und in den Landes als „courses landaises“ statt. Sie sind keine Stierkämpfe im blutigen Sinne des Wortes, aber ebenso bedenklich. Die französische Gesetzgebung und der allgemeine Sprachgebrauch schließen allerdings unter dem Begriff „courses de traureaux“ auch den blutigen Stierkampf mit Todesfolge ein.
Das Spektakel der Corrida, vom der das Fernsehen immer nur Bruchstücke überträgt und damit die Grausamkeit und Gewalttätigkeit verschleiert, erweckt die Neugier der Zuschauer. Es vernebelt den entsetzlichen Aspekt der Corrida und versteht es dadurch, die Begeisterung eines scheinbar friedlichen Publikums zu wecken. Es wendet sich an tiefliegende perverse Instinkte des Individuums. Hinzu kommt das moderne virtuelle Umfeld, das die sozialen Beziehungen radikal verändert hat und den Menschen unter dem Deckmantel einer unechten Kommunikation immer mehr isoliert. In diesem Sinne versteht es das Stierkampfgeschäft, sich ein positives Image zu verschaffen, das diametral im Gegensatz zur Grausamkeit und zur Übertretung der geltenden Gesetze steht, und was nicht einmal geahndet wird. Beides führt zu Ausschreitungen während der Feria, bei der Alkohol in Strömen fließt.
Wir unterscheiden vier Gruppen von Zuschauern beiderlei Geschlechts: 1. Die« aficionados » (Bedingungslose Anhänger der Tierquälerei) 2. Die Neugierigen (Touristen und Neulinge) 3. Die Schickeria (Prominente aus allen Gesellschaftskreisen) 4. Die Politiker (alle politischen Richtungen einschließlich der Grünen)
Laut Berichten der Presse gibt es davon etwa 5000 in ganz Frankreich. Diese Leute sind seit ihrer Kindheit im Milieu der Corrida zu Hause. Sie leben ständig unter ihrem Einfluss und sind zur Selbstkritik unfähig. Sie können sich nicht eingestehen, dass schon ihre Eltern in diesem Punkt versagt haben und dass ihre Leidenschaft verachtenswert ist. Ihre Erziehung hat ihnen nicht erlaubt, Tieren eine höheren Stellenwert einzuräumen, und was sie bei der Corrida erlebten, war für sie zwangsläufig legitim.
Das sind die gelegentlichen Besucher, die sich von der marktschreierischen und betrügerischen Werbung einfangen lassen. Touristen, die hauptsächlich aus nördlichen Gegenden kommen, sind sehr schnell entsetzt, wenn sie die Wirklichkeit entdecken. Sie meiden danach die Arenen, haben aber mit ihrem Besuch schon die Corrida moralisch und finanziell unterstützt, was der Stierkampf zum Überleben unbedingt braucht. Sicherlich wird ein winziger Anteil einmal den « aficionades » zugerechnet werden können. Der Tourist, dem es an wirklichen Sensationen mangelt, besucht die Ferias, weil er hier seinen Gefühlen freien Lauf und sich von mittelmäßigen stereotypen Veranstaltungen verführen lassen kann. Damit wird ihm eine fremde Kultur übergestülpt, und er wird zur Ablenkung vom grausamen Geschehen mit Flamenco und Paëlla überfüttert.
Mit dem Lancieren von Modeströmungen durch die Medien wird das Denken der Menschen stark manipuliert. So ist es in gewissen Kreisen der Gesellschaft besonders schick, sich stolz als « aficionados » zu bekennen. Eine Gruppe von Pseudo-Intellektuellen , ein Gemisch aus Künstlern ,Lehrern, Journalisten, Schriftstellern, Juristen, Psychologen, Psychiatern, Geistlichen ( besonders katholischen : Bruguès, Cadilhac), kurz Leute, die sich als Denker fühlen, bekennen ihre Corrida-Leidenschaft. Sie sind bei weitem die Gefährlichsten, denn sie sind es, die der Corrida ihre Weihen geben, indem sie die Argumente für den Stierkampf verfeinern und ihn damit rechtfertigen. Sie erlauben so den ungebildeten „afficionades“ gebetsmühlenartig dasselbe Gefasel zu wiederholen , mit dem sie unsere Ohren mit der Corrida als „ Tradition“, „ Kunst“ oder „Kultur“ volldröhnen. Sie versuchen damit die Gewalttätigkeit und Grausamkeit zu verschleiern, die das eigentliche Wesen des Stierkampfes ausmachen. Zur Unterstützung zitieren sie große Namen wie Hemmingway, Cocteau, Eluard, Char und natürlich Picasso! Sie nennen unaufhörlich Goya , den sie uns immer wieder mit verschiedenen Soßen garniert, als Zeugen auftischen, als ob er sich mit den Themen , die er darstellte und beschrieb, identifizierte. Sie reden von der Antike, die sie bis in die Vorgeschichte verfolgen und versuchen, eine Verbindung mit dem 21. Jahrhundert herzustellen, indem sie verzweifelt nach dem « missing link » suchen. Sie ziehen prominente Leute mit wenig Format in ihr Kielwasser, die davon faseln, etwas « Unsägliches », « Unbeschreibbares » zu spüren, wenn sie sich am mörderischen Spektakel ergötzen. Das zeugt von grosser Unverantwortlichkeit , Dekadenz und Aberglauben.
Sie glauben vor allem, mit der Corrida Wählerstimmen zu gewinnen! Aber nicht nur das ! Da wir wissen, dass es in der Politik nichts gratis gibt, versuchen wir, die Beweggründe zu verstehen. Dabei stellen sich folgende Fragen : - Welches sind die Gründe dafür, dass die verschiedenen politischen Ebenen (Departement und Region) sich in die Finanzierung von Stierkampfschulen einmischen und die Ferias unterstützen ? - Welches sind die Gründe dafür, dass sie auf allen Gebieten ihrer Zuständigkeit für die Corrida werben (Schauspiel, Reisen, Ausstellungen, Filme, Reportagen, Öffentlichkeitsarbeit etc.) ? - Wie erklärt sich in der Nationalversammlung die Gründung einer Arbeitsgruppe aller politischen Richtungen, um den Stierkampf zu verteidigen ? Immerhin gehören 80 Abgeordnete dazu! - Wie erklärt sich die Tatsache, dass unter Politikern die Corrida in letzter Zeit ein einvernehmlicher Gegenstand geworden ist? - Aus welchen Gründen sponsern sie die Corrida mit den Geldern der Steuerzahler, die zum großen Teil die Corrida ablehnen ? - Aus welchen Gründen wird für die Corrida Propaganda in öffentlichen und privaten Schulen betrieben, indem regelmäßig Schüler zu den „courses camarguaises“ eingeladen werden? Diese sind nichts anderes als ein Sprungbrett zur Corrida! - Warum werben an den Schulen Spanischlehrer für die Corrida?
Wir stellen fest, dass sich die Beweggründe der erwachsenen und jugendlichen Zuschauer auf einem sehr niedrigen moralischen Niveau bewegen. Das wird jedoch von den bedingungslosen Anhängern sorgfältig verwischt, um jegliche Selbsterkenntnis zu vermeiden.
Die bevorzugte Stellung, welche die Corrida heute in den Medien einnimmt, führt dazu, alle die zu entlasten, die an dem Schauspiel teilnehmen. Wir müssen also die Frage nach dem Bedarf an Gewalttätigkeit in unserer Gesellschaft stellen. Der Stierkampf ist ein Ausdruck der Brutalität und dazu ein Beispiel für das Gesetz des Stärkeren. Die Schlächter, in Gestalt der Matadores, werden von den Medien als Helden gefeiert, von denen sich junge und beeinflussbare Menschen mit schwachem Urteilsvermögen leicht faszinieren lassen. Werden sie ihre Überzeugung aufgeben, wenn sie eines Tages den Respekt vor dem Leben verinnerlicht haben und wenn eine heranwachsende Generationen mit einer anderen moralischen Sicht, diesen Anachronismus unwiderruflich verurteilt? Wir müssen daher durch gewissenhafte Informationsarbeit unseren Beitrag dazu leisten, diesem unerhörten Schwindel die Maske vom Gesicht zu reißen.
Gezeichnet : Josyane QUERELLE
Leidet ein Pferd oder ein Rind ebenso wie wir Menschen ? Antwort : Ja, natürlich ! Ein einfacher Insektenstich genügt, um Tiere wild werden zu lassen. Die unwillige Reaktion von Rindern gegenüber einem Dreispitz, oder von Pferden gegenüber Sporen oder Peitsche zeigt ihre ausgeprägte Sensibilität.
Er ist nicht der Erste, der die Barbarei mit nationalen Argumenten rechtfertigt, denen dann die bekannten Unglücksfälle der Geschichte mit Rassenhass als Beigabe auf dem Fuße folgen. Die Geschichte ist leider reich davon, und immer geht es in die gleiche Richtung. Es wird immer wieder versucht , das Volk, die Gemeinschaft zu beschwören: "Mein Stadtviertel! Meine Bande!" , "Mein Volk! Meine Religion !" Und schließlich endet alles im Streit und Krieg. "Volk des Südens": Was ist denn der Süden? Wessen und welcher Süden? Wo beginnt er? Wie viel Länder gibt es allein in Europas Süden, die nichts mit dem Stierkampf zu tun haben? Der Rest unseres Planeten liegt fast nur im Süden, in dessen Norden wir liegen! Und noch etwas. Darf man dann überhaupt noch im Süden Frankreichs leben, ohne dort geboren zu sein. Oder kann man dort geboren sein, ohne den Stierkampf zu akzeptieren? Gehört der Süden Frankreichs jemanden? Dort geboren zu sein oder dort zu leben, bedeutet das, dass man damit automatisch Gene für den Sadismus des Stierkampfs geerbt hat ? Diese Hirngespinste haben die abwegigen Ideologien des 19. und Anfang des 20. Jahrhundert geprägt und leben , wie man weiß, hier und dort immer wieder mit denselben trostlosen Folgen auf. Der Stierkampf ist eine der gefährlichsten Erscheinungen, in dessen Geleit überkommende Traditionen, rituelle Zeremonien mit Begriffen wie "Schönheit des Kampfes", "Bewahrung der Rasse", "Verherrlichung des Todes", "Kraft der Symbole" und andere morbide verführerische populistische Täuschungsmanöver einher gehen. Denis Boulbès
|
INHALT ETHIK |