DER STIERKAMPF :

DIE MISSACHTUNG DES TIERRECHTS

Die Anhänger des Stierkampfes möchten den nach festen Formen ablaufenden S-Tierkampf mit Unterstützung des Gesetzgebers, der Politiker und Medien zur hohen Kunst und zu einem Kulturgut ersten Ranges erheben

Geschichte: Der Ursprung des Stierkampfes
Da vor dem 11. Jahrhundert keine Quellen vorliegen, gibt es die unterschiedlichsten Vermutungen über den Ursprung des Stierkampfes.

Die verschiedenen Formen des Stierkampfes
Nur wenigen Leuten sind die verschiedenen Formen des Stierkampfes bekannt. Deshalb ist es für ein richtiges Verständnis unerlässlich, die verschiedenen Spiele und Veranstaltungen, in denen Rinder eine Rolle spielen, hier zu erklären. Auch wenn der Name wechselt, sollten wir nicht vergessen, dass es sich immer wieder um den Stierkampf handelt.

Liste der französischen Städte mit Stierkampf- "Tradition" (Stand: 2005)

Der große Betrug
Die Stierkampfanhänger behaupten unermütlich, dass beim Stierkampf die Chancen zwischen Mensch und Tier gleich sind. Das sind sie keineswegs!

Der Stierkampf ist ein Hindernis für die Verbesserung der Lebensbedingungen alle Tiere

Schule des Sadismus

Die Zucht der sogenannten « Kampfstiere »
Die Stiere, die für den Stierkampf bestimmt sind , repräsentieren höchstens 1% der gesamten Stierzucht, der sogenannten „ganaderia“. Doch das ist schon 1% zu viel, denn es sind Tausende von Stieren, die leider jedes Jahr in Europa im Namen von Kultur und Tradition geopfert werden. Jedes Jahr steigen diese Zahlen, seitdem spanische „Kultur“ immer mehr in Mode kommt. Im Jahre 1995 zählte man 35 « ganaderias » in Frankreich; die meisten befinden sich im Rhonedelta.

Beweggründe der Stierkampfbesucher
Der Stierkampf zieht Zuschauer beiderlei Geschlechts, jeden Alters und verschiedener sozialer Herkunft an. Geld spielt hier keine Rolle, denn es gibt auch Corridas mit sehr billigen Eintrittspreisen.
Das Publikum reicht von erwachsenen fanatischen Anhängern, über Heranwachsende , neugierigen Touristen, die wissen möchten, was hinter den mysteriösen Mauern der Arenen passiert, bis zu kleinen Kindern in Begleitung ihrer Eltern


Ein völlig widersprüchliches Gesetz
Das französische Tierschutzgesetz verbietet Quälerei von Haustieren, erlaubt aber Ausnahmen für Stiere und Hähne, denen die schlimmsten Quälereien zugefügt werden dürfen.

Stierkampfgeschäft und Stierkampfmafia
« Die Transparenz ist nicht die beste Tugend des Stierkampfmilieus.»
(Zitat: Wirtschafts- und Sozialbeirat des Languedoc-Roussillon)

Die Stierkampfschulen oder die Einführung in den Sadismus
Das „Handwerk“ des „Matador de toros“, wörtlich mit „Stiertöter“ übersetzt, wird in Stierkampfschulen erlernt. Es handelt sich um gemischte Schulen, in denen Jugendliche beiderlei Geschlechts und sogar kleine Kinder sowohl den einheimischen als auch den iberischen Stierkampf erlernen.

DIE VERSCHIEDENEN FORMEN DES STIERKAMPFES

In Frankreich muss man zwischen dem einheimischen und dem im 19. Jahrhundert aus Spanien importierten Stierkampf unterscheiden.

1. Die einheimischen

Bei den einheimischen Stierkämpfen handelt sich im Wesentlichen um die „course landaise“ aus den Landes bei Bordeaux und den „course camarguaise“ aus der Camargue. Diese sind mehr „Spiele“ als Kämpfe. Bei ihnen geht es darum , Angriffen der Stiere auszuweichen, ohne sie zu töten.

Die « course landaise »

Diese Spektakel werden in mehr als 100 Orten des Departement Landes und angrenzender Gebiete veranstaltet. Für die «course landaise » werden besonders lebhafte junge Rinder in einer Arena freigelassen, deren Angriffen gewandte junge Leute auszuweichen versuchen. Einige sehen darin eine sportliche Veranstaltung, andere mehr ein zirkusähnliches Ereignis. Es handelt sich um einen Geschicklichkeitswettbewerb, bei dem Preise ausgesetzt und anschließend lustige Darbietungen gezeigt werden. Die ursprüngliche « course landaise » entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Züchter, welche die Tiere zur Verfügung stellten , und die « Artisten » konnten damit Geld verdienen. Gegen 1900 wurde die Stiere durch jungen Rinder ersetzt und um 1920 nahm die « course landaise » seine gegenwärtige Form an.

Wir versuchen nun kurz dieses Spektakel, das in hufeisen- oder kreisförmigen Arenen, stattfindet, zu beschreiben (In den kreisförmigen Arenen können auch blutige Stierkämpfe veranstaltet werden!) Orte, in denen es keine festen Arenen gibt, lassen gemietete mobile Arenen aufstellen. Die aktiven Teilnehmer bilden Mannschaften («cuadrillas») die aus einen Trainer, sieben « écarteurs », einem « sauteur », einem «teneur de corde» oder «cordeur » und einem « vacheur » bestehen. Jede Mannschaft trägt die Farben des Züchters, zu dem sie gehören.
Die « course » beginnt mit dem Einlass des Tieres, welches sich sofort, seiner Freiheit beraubt, auf die Personen stürzt, die sich im Inneren der Arena befinden. Diese bringen sich in Sicherheit. Mit einem Seil, das an den Hörnern befestigt ist, kann der « cordier » das Tier unter Kontrolle halten. Ein « écarteur » lockt das Tier, das daraufhin in seine Richtung stürmt. Seine Kunst besteht nun darin, dem Tier durch geschickte Wendungen so dicht und so spät wie möglich auszuweichen. Je dichter sich der « écarteur » an das Tier heranwagt, desto mehr ist das Publikum und das Schiedsgericht zufrieden. Sehr spektakulär sind die Sprünge des « sauteur ». Mit einfachen Schlusssprüngen, geschraubten Saltos, Langsprüngen mit Abrollen etc. springt er waghalsig über das Tier. Am Ende der Vorführung ruft der „vacheur“ die Kuh in den Stall zurück.

Wie wir soeben gelesen haben, werden die jungen Rinder der Landes, vom enormen Stress abgesehen, keinen schweren Quälereien und Grausamkeiten ausgesetzt. Dennoch müssen wir als engagierte Tierschützer die Verwendung von Tieren zum Vergnügen der Menschen missbilligen! Übrigens machen einige dieser Tiere als wertvolle « Mitarbeiter » ein große « Karriere » von manchmal über zehn Jahren zum großen finanziellen Nutzen ihrer Züchter.

Üblich ist es auch, junge Kälber freizulassen und durch die Strassen zu jagen. Oft werden die Tiere dabei durch betrunkene und außer Kontrolle geratene Zuschauer misshandelt. Solche Praktiken sind nicht zu dulden! Später werden wir noch die Verbindung zwischen der „course landaise“ und der iberischen Corrida aufzeigen.

Die « course camarguaise »

Im Küstenstreifen, der von Avignon bis Montpellier reicht, wird die „course camarguaise“ oder „bouvine“ veranstaltet. Diese nannte man früher einmal „course libre“, „course provençale“ oder „course à la cocarde“. Um was handelt es sich dabei? Man befestigt auf der Stirn eines Stiers oder einer Kuh drei Gegenstände, « attributs » genannt: Eine rote Kokarde und zwei Troddeln aus weißer Wolle. Diese Gegenstände werden mit Bindfäden an den Hörnern befestigt. Junge Männer, « raseteur » genannt und ganz in Weiß gekleidet, versuchen mit einem Vierzackhaken, einem« raset », dem Rind seine Attribute zu entreißen. Dieses wehrt sich, indem es alle angreift, die sich ihm nähern. Um dem Tier zu entwischen, müssen die « raseteurs » sich häufig hinter der Holzbarriere, welche die Arena begrenzt, in Sicherheit bringen. Das Tier prallt dabei, oft durch den Schwung mitgerissen, mehr oder weniger heftig mit den Hörnern gegen die Holzwand. Dieser Schock , „coup de barrière“ genannt, ist für die Fans ein Zeichen von Kampfeslust und damit des Wertes des Tieres. Nach einer Viertelstunde wird das Rind, ob es nun seine Attribute verloren hat oder nicht, in den Stall (« toril ») zurückgeführt und das nächste Tier wird herausgelassen. Nebenbei bemerkt, während des ganzen Spektakels wird von Firmen Reklame betrieben, indem sie Prämien aussetzen, um die besten « raseteurs » zu belohnen.

Weitere Formen der « course camarguaise »
Es gibt neben der « course camarguaise » noch andere Spiele mit Rindern in dieser Region : « abrivado, bandido, bourgine, taureaupiscine » etc.
Ein «abrivado» findet statt, wenn die Rinder in eine Arena gebracht werden. Die Tiere werden, eingekreist von berittenen Viehtreibern, durch eine Gasse schaulustiger Menschen getrieben. Die Zuschauer versuchen, die Stiere aus der Umzingelung der Tierhüter zu befreien.
Man kann sich vorstellen, welch ein wildes und gefährliches Spiel hier stattfindet.

Die « bandido » die umgekehrte Operation. Die Viehtreiber führen die Stiere aus der Arena zurück zur Weide oder zum Lastwagen, der sie wegbringt.

Abrivado

Bei der « bourgine » oder « taureau à la corde » wird ein Stier in der Strasse freigelassen, jedoch ist er mit ein oder zwei Seilen an den Hörnern festgebunden. Die Seile hindern ihn am Kämpfen und man hat ihn damit besser unter Kontrolle.

Das « taureau-piscine » ist ein volkstümliches Spiel, bei dem Kälber in einer Arena herumlaufen, in deren Mitte sich ein Wasserbecken befindet, in das sich die „mutigen Kämpfer“ vor den Tieren retten können.

Kritik
Bei allen Veranstaltungen, die wir soeben beschrieben haben, werden die Tiere weder getötet noch verletzt, sondern man „spielt“ mit ihnen auf ihre Kosten. Der Unterschied zum spanischen und portugiesischen Stierkampf ist also erheblich. Bei den «courses camarguaises» werden die Tiere jedoch sehr oft misshandelt. Mit dem vierzackigen Haken der « raseteurs » wurden schon die Augen der Tiere verletzt. Auch die heftigen Stöße der Tiere gegen die Barrieren führen häufig zu Verletzungen. Selbst tödliche Verletzungen von Mensch und Tier kommen vor.

Fast alle Stiere werden, bevor sie bei diesen Spielen zum Einsatz kommen, ohne Anästhesie kastriert, indem man ihnen brutal die Samenstränge mit einer Zange abklemmt.

Zur Identifizierung werden in der Camargue Stiere und die Pferde der Viehhüter mit einem glühenden Eisen markiert. Zusätzlich werden zur Kennzeichnung die Ohren der Rinder ohne Betäubung eingeschnitten. Das nennt man « escoussure ». Die Kennzeichnung der Rinder und Pferde wird den Touristen als großes Fest unter dem Namen "ferrade". verkauft. Handelt es sich nicht um Sadismus, wenn man für Geld zuschaut, wie die jungen Tieren brutal zu Boden geworfen, gebrannt und verstümmelt werden?

Bei den « abrivados und « bandidos », diesen gefährlichen und gewalttätigen Straßenveranstaltungen, kommt es nicht nur zu Verletzungen von Tier und Mensch , sondern auch zu Todesfällen. In den letzten Jahren wurden einige Bürgermeister wegen tödlicher Unfälle von Zuschauern anlässlich der „abrivados“ vor Gericht angeklagt.

Man behauptet oft, dass diese volkstümlichen Spiele die Einführung der schlimmeren Corrida verhindern. Das ist ein grosser Irrtum! Die beiden Regionen in Frankreich – Landes und Camargue –, in denen diese Spiele stattfinden, sind die Gebiete, in denen auch die Corrida fest verwurzelt ist. Alles ist eher so gelaufen, dass die « course landaise » und die « course camarquaise » das Terrain für die Corrida vorbereitet und für sie günstigste Ausgangsbedingungen geschaffen haben.

2. Die iberischen Stierkämpfe
Der spanische Stierkampf

Der Stierkampf zu Fuß und abgeleitete Formen

Die »corrida de toros » ist ein nach festen Regeln ablaufender Stierkampf, deshalb wird er auch « formelle Corrida » genannt. Bei einer solchen Corrida werden sechs Stiere durch drei Torero-Mannschaften zu Tode gequält. Jeder Mannschaft, „cuadrilla“ genannt, werden zwei Stiere überlassen.

Zusammensetzung der Mannschaft :
- Eine « cuadrilla » setzt sich aus sechs Männern (selten Frauen) zusammen. Jeder Stier wird also der Quälerei von sechs Männern ausgesetzt .Der »matador de toros » (wörtlich: Stiertöter) , auch « espada » - « diestro » oder « maestro » genannt, ist der Chef und Star der Gruppe.
- Zwei « picadors », auch « piqueros » genannt, auf kräftigen Pferden assistieren dem Matador und sind mit langen Spießen ausgerüstet.
- Drei « peones » haben die Aufgabe, abwechselnd mit ihren Umhängen und den « badarillas » den Stier zu reizen.
Sechs bewaffnete Männern also, die gut ausgebildet sind, machen sich über eine einzelnes Tier her, welches ihnen völlig arglos gegenübersteht. Das nennt man einen ausgewogenen Kampf mit gleichen Waffen!

Die Leidensgeschichte der Stiere
In einer Corrida werden sechs Stiere nacheinander zu Tode gequält. In drei Akten („tercios“) wird jedes Tier grausam gefoltert und schließlich abgestochen.


Erster Akt : « tercio de varas »
Wenn der Stier aus dem Stall (« toril ») kommt und noch nicht vorher außerhalb der Arena durch zweifelhafte Machenschaften (Abschneiden der Hornspitzen, Doping etc.) geschwächt wurde, wagen es die Stierkämpfer noch nicht, ihn mit Waffen anzugreifen. Sie begnügen sich damit, das Tier in sicherem Abstand mit ihren Umhängen zu provozieren und flüchten bei einem Angriff sofort hinter die Barriere, welche die Arena umgibt. Bevor das Tier dem Torero überlassen wird, muss es erst einmal geschwächt werden. Das ist vornehmlich die Aufgabe der beiden « picadores », die nun die Szene betreten. Sie reiten auf schweren Zugpferden, die vor den Angriffen der Stiere mit dicken Polstern geschützt sind. Dieser Schutz ist, wie zahlreiche tödliche Unfälle beweisen, völlig unzureichend. Wenn das Pferd durch den Stier umgestoßen wird, ist es ihm unmöglich, sich wieder aufzurichten und wird so ein leichtes Opfer für den Stier. Die Reiter reizen den Stier zum Angriff, und während dieser sich bemüht, die gepanzerte Einheit von Ross und Reiter hochzuheben und umzuwerfen, fügt der Picador mit einer Lanze dem Tier eine tiefe Wunde im Nacken zu. Wenn das Tier schon nach dem ersten Stoss in seinen Bewegungen beeinträchtigt wird (was häufig vorkommt), erhält der Picador die Anweisung, sich zurückzuziehen. Wenn jedoch das « Raubtier » noch als gefährlich gilt, können ihm noch weitere Stiche verpasst werden. Sein Nacken wird dadurch völlig zerfetzt. Da sich der Stier mit Kopfstössen verteidigt, wird er durch die Verletzung am Nacken praktisch entwaffnet. Nach dieser « Züchtigung » (Das ist der offizielle Ausdruck!) besteht das Risiko, dass das durch Kampf, Verletzungen und Blutverlust erschöpfte Tier aufgibt und das Spektakel somit beendet: Das wäre eine große Enttäuschung für das Publikum, welches für sein Geld etwas sehen möchte!. Deshalb überlassen die Picadore das Tier im zweiten Folterakt den „peones“, die mit „banderillas“ bewaffnet sind.
Zweiter Akt : »tercio de bandarillas »
« Bandarillas » sind harpunenartige Waffen. Die « peones », die in jeder Hand eine Harpune halten, fordern den Stier mit Gesten und Geschrei heraus, weichen dessen Angriffen aus und stoßen die « banderillas » in den bereits verletzten Nacken. Das wiederholt sich , so dass der Stier schließlich drei Paare dieser Harpunen im Nacken stecken hat.
Warum Harpunen ? Sobald diese Waffe einmal im Fleisch festsitzt, kann sie nicht mehr herausfallen. So folgen die Eisen jeder Bewegung des Tieres und rühren in den Wunden. Es entsteht ein ständiger fürchterlicher Schmerz. Ist der Sadismus noch zu ermessen, der hinter der Erfindung und des Gebrauchs solcher Folterinstrumente steht ?Aufgrund der ständigen Qual in Wut versetzt, stürzt sich der Stier stark geschwächt auf die ihn täuschenden Folterer. Er wiederholt seine Angriffe und verbraucht damit seine Energiereserven. Wenn er dann immer noch nicht genügend angriffslustig erscheint, werden ihm nun schwarze « banderillas » noch tiefer und noch schmerzhafter eingerammt. Früher zögerte man nicht, wenig angriffslustigen Stieren (« mansos ») brennende « banderillas » in den Nacken zu stoßen, was sie völlig verrückt machte. Diese glücklicherweise vergangene Epoche liegt noch nicht so weit zurück und erweckt finstere Gedanken über die Tiefen des menschlichen Wesens. Mit dieser Tortur wird das Tier auf seinen Tod im letzten Akt vorbereitet
Dritter Akt : Das „tercio“ des Todes oder « tercio de muleta »
Die « peones » überlassen nun den Platz dem Chef der Mannschaft, dem „matador“, was wörtlich « Töter » bedeutet. Er ist mit einem Degen und der « muleta », dem roten Tuch, mit welchem er die Angriffe des Stieres auf sich lenkt, ausgerüstet. Sobald das Tier erlahmt, werden seine Angriffe weniger.
Wenn der Matador meint, dass sein Opfer am Ende seiner Kräfte ist und dass es ihm günstig gegenübersteht, veranlasst er das Tier mit der « muleta » den Kopf zu senken und sticht ihm den Degen in den Nacken. Da der Matador oft nicht viel größer als das Tier ist, gelingt es ihm nicht immer, seine Waffe vertikal sondern nur in einem Winkel von ungefähr 45 Grad einzustechen.
Die Waffe trifft dann nicht das Herz, sondern durchschneidet die Blutgefässe in Herznähe und löst in wenigen Minuten durch innere Verblutungen den Tod aus. Die Zuschauer applaudieren dem „Töter“, wenn er seine Sache gut verstand. Aber oft dringt die schlecht geführte Waffe nur zur Hälfte ein oder tritt aus der Flanke heraus. Häufig wird auch die Lunge durchstoßen, so dass das Opfer an seinem Blut erstickt. Wenn der erste Degenstich nicht gelingt, eilt einer der « peones » hinzu und zieht den Degen heraus. Er gibt ihn dem Matador zurück, der von Neuem mit dem Todesstoss beginnt. Nicht selten wird fünf bis sechs Mal und noch mehr zugestoßen. Das passiert häufig bei « novilladas », so heißen Stierkämpfe mit sehr jungen Stieren und ungeschickten Anfänger-Matadoren.
In jedem Fall wird dem Stier noch ein Gnadenstoss versetzt, indem ihm mit einen speziellen Degen ,« descabello », oder einem Dolch, «puntilla », in das Rückenmark gestoßen wird. Einem Pferde- oder Maultiergespann (arrastre) bleibt es überlassen, den Kadaver außer Sichtweite des Publikums zu schaffen. Arbeiter (areneros) verwischen mit Rechen die Blutspuren im Sand und lassen das nächste Opfer herein.

Zwischen dem Einlauf des Stieres in die Arena und die Beseitigung seines Kadavers vergehen ungefähr 20 Minuten, und eine ganze Corrida dauert etwa zwei Stunden.
Es scheint, dass die Aufeinanderfolge von Folterungen für viele Menschen das schönste Schauspiel der Welt ist!

Neben der nach festen Regeln ablaufenden Corrida gibt es noch einige abgeleitete Formen:

Die « novilladas » mit „picadores“:

Diese Variante läuft genauso ab wie die formelle Corrida. Doch die Tiere, „novillos“ genannt, sind viel jünger und werden Torero-Anwärtern, die noch nicht die Zulassung zur formellen Corrida haben, überlassen.

Die « novilladas » ohne « picadores » :

Hierbei wirken keine Picadore mit und es dürfen noch jüngere Rinder von den Stierkampf-Lehrlingen gequält werden.

Die « becerradas » :

Bei dieser Variante werden Kälber unter zwei Jahren den tödlichen Quälereien durch Schüler der Stierkampfschulen ausgesetzt.
In allen drei geschilderten « Spielarten » werden die Tiere zu Tode gequält!

Die « tientas » :

Junge Kühe werden hierbei getestet, ob sie zum Austragen von „toros bravos“, tapferen Stieren, geeignet sind. Man stößt den jungen Tiere Marterwerkzeuge in den Körper, und diejenigen , die aggressiv reagieren, werden für die Zucht auserwählt. Harmlose Tiere gehen in den Schlachthof.
Die „tientas“ finden in den privaten Arenen der Züchter statt, die sich das Ereignis von Zuschauern bezahlen lassen.

Die « capeas » :

Dieses sind Simulationen von Stierkämpfen für junge Lehrlinge mit jungen Rindern. Es wird hierbei nicht zu Tode gequält.

Stier-Festivals :

Es handelt sich dabei um Vorführungen von Matadoren oder « novilleros », die sich an Stieren zweiter oder dritter Qualität messen, was natürlich von hundertprozentigen Corrida-Fans nicht für voll genommen wird. Diese Festivals werden zum größten Teil zum Nutzen karikativer Organisationen veranstaltet und erlaubt der Stierkampfmafia, sich mit einem Heiligenschein zu umgeben. Natürlich quälen die Matadore, die großzügig auf ihre Gage verzichten, die Stiere für einen guten Zweck zu Tode. Blutige Werbung verpflichtet!

Die Corrida zu Pferde, « corrida de rejones »

Der Ursprung

Vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert beschäftigte sich der spanische Adel mit dem Stierkampf. Für sie war es eine Übung halbsportlicher und halbkriegerischer Art, die auf dem Pferd mit der Lanze in der Faust ausgeübt wurde. Nachdem diese aristokratische Kampfart außer Mode kam, wurde sie im 20. Jahrhundert durch einige Herrenreiter (Cañero, Peralta, Domecq etc.) wiederbelebt und modernisiert. Wie die Corrida zu Fuß wird die „corrida de rejones“ ebenfalls in drei Akten, den drei „tercios“, abgewickelt.

1.Akt :
« tercio de salida »
Wenn der Stier in die Arena stürmt, wird er vom einem nach andalusischer Mode gekleideten Reiter, auf einem sehr wendigen Pferd sitzend, empfangen.
Der Reiter ist mit einer Waffe, dem « rejon » bewaffnet. Das ist ein Speer mit einem langen Holzstiel, auf dessen Ende ein dolchartige Spitze sitzt. Der Reiter, « rejoneador » oder « caballero en plaza » genannt, fordert den Angriff des Stieres heraus, indem er auf ihn zureitet. Das für diesen Auftritt dressierte Pferd weicht dem Stier um Haaresbreite aus und während es an ihm vorbeistreift, nutzt der Reiter die Gelegenheit, seine Waffe dem Stier zwischen die Schulter zu stoßen. Der Speer ist so konzipiert, dass er in zwei Teile zerbricht : Die Dolchspitze bleibt dem Stier im Fleisch stecken, während der Reiter den Schaft davonträgt. Nach einer kurzen Verfolgungsjagd bleibt der Stier ermüdet stehen. Der Torero lässt sich einen neuen Speer geben und pflanzt ihn dem Tier von Neuem ein. Am Ende des ersten « tercio » ist der Stier mit drei 15cm langen Stahlspitzen „verziert“. Er verliert viel Blut und jeder Schritt wird ihm zur Qual.
2.Akt :
« tercio de banderillas »

Wie bei der Corrida zu Fuß werden auch hier « Bandarillas » als Folterwerkzeuge eingesetzt, mit der gleichen unerträglich schmerzhaften Wirkung. Diese ständige Folterung hat das Ziel, die Wut und damit die Kampfbereitschaft des Stieres zu steigern, denn ohne Kampf kein Spektakel ! Die Regel erlaubt dem « rejoneador » einem Tier vier lange und drei kurze « bandarillas » in den Nacken zu rammen. Am Ende des zweiten „tercios“ ist das Opfer mit „bandarillas“ gespickt, durch Blutverlust erschöpft und für den dritten Akt zugerichtet
3.Akt :
le tercio de mort

Während die Speere des ersten « tercio » mit einer Spitze in Form eines Dolches versehen sind, werden nun Speere eingesetzt, an deren Spitze ein schwertartiges Blatt montiert ist. Mit diesen Speeren soll der Stier getötet werden. Um das verletzte Tier zu exekutieren, hat der « caballero » drei Versuche offen. Wenn danach das zu Tode verurteilte Tier noch lebt, muss der Reiter absteigen, um seine Tat zu Fuß zu vollenden oder den Todesstoss einem anderen Torero überlassen

Bemerkungen

Die Toreros, die zu Fuß ihr blutiges Handwerk ausüben, werden als Helden gefeiert, weil sie angeblich mit ihrer schmutzigen Arbeit freiwillig den Tod „riskieren“. Anders bei der berittenen Corrida: Da die Pferde als Schutzschild dienen, sind die berittenen Toreros keinerlei Gefahr ausgesetzt. Aber auch den Pferden passiert wenig, da die Pferde sehr gut dressiert sind. Jedoch sind häufige Verletzungen während ihrer mehrere Jahre dauernden Dressur nicht auszuschließen. Allerdings werden den Stieren vor den Kämpfen gewöhnlich die Hornspitzen abgesägt, um den Pferden schwere und den Besitzern kostspielige Schutzumhänge zu ersparen. Diese Manipulation, „afeitado“ genannt, ist keinesfalls ein verbotener und heimlich durchgeführter Eingriff, sondern er ist durch das Reglement der Reitercorridas ausdrücklich erlaubt.
In den letzten Jahren hat sich die Sitte eingebürgert, dass sich der Stier zwei anstatt einem « rejoneadore » gegenüber sieht, was die Ungleichheit des „Kampfes“ noch verstärkt. Während der Stier sich im Laufe des Kampfes erschöpft, können die Reiter während der Tortur das Pferd wechseln,. Außerdem wird gewöhnlich für jedes „tercio“ ein frisches Pferd eingesetzt

Schlussbetrachtung

Was die Stierkampfanhänger am meisten an der « Kunst des Stierkampfes“ fasziniert, ist weniger die Eleganz des Toreros, sondern vielmehr das Bangen vor der Gefahr, die vom Stier ausgeht. Wenn die Corrida zu Pferde weniger geschätzt und dadurch auch weniger besucht wird als der Stierkampf ohne Pferde, liegt das daran, dass die « rejoneadores » kaum ihre Haut riskieren. Der gegenwärtige Aufschwung für den Stierkampf zu Pferde ist nur an dem ansteigenden Interesse am Reitsport zu erklären.

Der portugiesische Stierkampf

Der portugiesische Stierkampf trägt den Namen „forcados“ oder „tourada“. Die portugiesischen Stierkämpfer , „forcados“, „mozos de forcado“ oder « pecadores » genannt, treten als Gruppe unter der Leitung eines Chefs, « caporal », auf. Ihre Rolle ist es, den Stier nach bestimmten Regeln in Schach zu halten. Die bekannteste Regel ist die „pega de cara“, nach der der „caporal“ den Stier dadurch reizt, indem er sich ihm gegenüber aufbaut. Wenn das Tier den Kopf senkt, stürzt sich der Torero zwischen die Hörner und hält sich an ihnen kräftig fest. Nun kommen die anderen Männer der Mannschaft ins Spiel , packen den Stier und halten ihn mit vereinten Kräften fest.

Diese Angelegenheit wäre sehr schwierig, wenn das Tier noch im vollen Besitz seiner Kräfte wäre. Deshalb greifen die « forcados » erst ein, nachdem der Stier durch den « cavaleiro », einem Torero zu Pferde, verletzt und geschwächt wurde. Dieser Reiter benutzt als Waffe sogenannte « farpas », ähnlich den spanischen « banderillas » jedoch länger, schwerer und viel schmerzhafter. Der « cavaleiro » reizt den Stier zum Angriff, reitet ihm entgegen, weicht den Hörner aus, setzt ihm eine « farpa » in den Rücken und flüchtet. Doch dem Stier gelingt es nicht, seinen Peiniger einzuholen, da das Pferd schneller ist. Der Reiter sticht mit einer weiteren „farpa“ zu und flüchtet wieder. Der portugiesische Stierkampf ist eine monotone Wiederholung der gleichen Gesten. Es dauert nicht lange bis der Stier mit den Folterwerkzeugen, die ständig wackelnd in den Wunden rühren, gespickt ist. Erst wenn der Stier erschöpft durch Verfolgungsjagd, Verletzungen und Blutverlust am Ende seiner Kräfte ist, sind die sechs « forcados » an der Reihe, die sich dem Stier gegenüber hintereinander aufstellen. Der Erste reizt den geschwächten Stier zum Angriff, packt ihn an den Hörnern und versucht, ihn mit Hilfe der anderen „forcados“ umzuwerfen. Dies geschieht mit brutaler Gewalt, indem dem Tier Hals, Schwanz und Beine verdreht werden. Danach wird das verletzte Tier aus der Arena geschafft.

Durch eine betrügerische Werbung wird den Leuten vorgegaukelt, dass der portugiesische Stierkampf sauber sei, da er nicht zum Tode des Stieres führt. In Wirklichkeit ist der Stier meistens so sehr verletzt , dass er nach dem Spektakel außerhalb der Arena getötet werden muss. Weil mit dem Begriff « portugiesische Corrida » Blut, Grausamkeit und Tod verknüpft werden, ziehen es die Organisatoren vor, sie als „forcados“ zu bezeichnen, ein Begriff, der ein schlecht informiertes Publikum weniger schockiert. Lassen wir uns nicht durch das heuchlerische Etikett täuschen!

Liste der französischen Städte mit Stierkampf- "Tradition" (Stand: 2005)

DEPARTEMENT STADT Art u. Baujahr der Arena Kapazität
11 / AUDE CARCASSONNE MOBIL 2002 3000
LEUCATE MOBIL
AZILLE MOBIL
13 / BOUCHES DU RHÔNE ARLES FIX 1 1.Jahrh. 14000
CHATEAURENARD FIX 1880 4200
GIMEAUX FIX 1991 280
ISTRES FIX 2001 3300
MEJANES FIX 1955 4200
PORT ST LOUIS FIX 1977 2000
ST MARTIN DE CRAU FIX 1960 1800
ST REMY DE PROVENCE FIX 1860 2100
STES MARIES DE LA MER FIX 1932 4300
SALINS DE GIRAUD FIX 1908 500
TARASCON FIX 1953 1100
30 / GARD ALES FIX 1891 2700
BEAUCAIRE FIX 1855 5000
BELLEGARDE FIX 1920 1500
CAISSARGUES FIX 1994 1000
FOURQUES FIX 1920 900
LE GRAU DU ROI FIX 1961 3200
NIMES FIX 1.Jahrh. 16000
SAINT-GILLES FIX 1938 2500
ST LAURENT D'AIGOUZE FIX 1966 1100
VAUVERT FIX 2004
VERGEZE FIX 1967 2500
31/ HTE GARONNE FENOUILLET MOBIL 2003 9500
RIEUMES MOBIL 3000
32 / GERS AIGNAN FIX 2500
CAZAUBON FIX 1750
EAUZE FIX 1978 3600
GIMONT MOBIL 3500
LE HOUGA FIX 2003 1150
PLAISANCE DU GERS FIX 2200
RISCLE FIX 1900/1950 200
32 / GERS VIC-FEZENSAC FIX 1931 6860
33 / GIRONDE CAPTIEUX MOBIL 1986 1500
FLOIRAC MOBIL 1987 7200
LA BREDE MOBIL 1999 4000
34 / HERAULT BESSAN MOBIL
BEZIERS FIX 1897 13100
BOUJAN SUR LIBRON MOBIL
LUNEL FIX 1861/1981 3800
MAUGUIO FIX 1934/1988 2000
PALAVAS LES FLOTS FIX 1966 4600
40 / LANDES AIRE SUR ADOUR FIX 1971 4000
BOUGUE FIX 1200
BROCAS FIX 1000
DAX FIX 1911/1932 9000
HAGETMAU FIX 1963 3700
MAGESCQ FIX 1988 1600
MONT DE MARSAN FIX 1889/1935 7400
MUGRON FIX 1906 2500
PARENTIS EN BORN FIX 1927 3800
POMAREZ FIX 1932/1958 3100
PONTONX SUR L'ADOUR FIX 1936 2800
RION DES LANDES FIX 1930 1500
ROQUEFORT FIX 1951 3700
SAINT PERDON FIX 1953 2000
SAINT SEVER FIX 1931 3800
ST VINCENT DE TYROSSE FIX 1927 5000
SAMADET FIX 1950/1972 2000
SOUSTONS FIX 1914 3000
VILLENEUVE DE MARSAN FIX 1911 2200
64 / PYRENEES ATLANTIQUE BAYONNE FIX 1893 10400
GARLIN FIX 1800
ORTHEZ FIX 1927 3300
65 / HAUTES PYRENEES CASTELNAU RIVIERE BASSE FIX 1200
66 / PYRENEES ORIENTALES BOURG MADAME MOBIL 1998 1200
CERET FIX 1922 3750
COLLIOURE MOBIL 2000
MILLAS FIX 1990 1500
84 / VAR FREJUS FIX 1.Jahrh. 3000

Soit 72 communes

DER GROSSE BETRUG

Wir haben nun erfahren, dass ein Tier, das ahnungslos von der Weide kommt, durch eine Gruppe von sechs perfekt ausgebildeten aggressiven Männern malträtiert wird. Und alles ist offiziell geregelt! Natürlich nach den Regeln der Stierkampfbetreiber! Doch diese reichen ihnen nicht aus, so dass sie zusätzlich betrügerische Mittel einsetzen, um das Risiko zu verringern oder um es sogar völlig auszuschalten.

Eine sehr oft eingesetzte Methode ist das "afeitado" Es besteht darin, die Hörner abzusägen und nachzumodellieren. Da in den Hornspitzen Nerven enden, erleidet der Stier erhebliche Schmerzen. Außerdem wird damit sein Orientierungsvermögen gestört und seine Gegenwehr geschwächt.
Die Verkürzung der Hörner ist mit Ausnahme der Corrida zu Pferde durch das Reglement verboten, wird aber weitgehendst ausgeübt, da viele Toreros sich weigern, gegen Stiere mit ungekürzten Hörnern anzutreten. Wenn man die gigantischen Gagen einiger „figuras“ (berühmte Toreros) kennt, kann man verstehen, dass sie länger leben und auch so viel wie möglich verdienen wollen.

Doping
Selbst in der dem Stierkampf wohlgesonnenen Presse liest man immer häufiger über betrügerische Maßnahmen, mit denen die Angriffsbereitschaft der Stiere durch Verabreichung von nerven- und muskellähmenden Mitteln vermindert wird. Ein Kommentar erübrigt sich!

Genetische Auswahl
Sie besteht darin, besonders große und imponierende Tiere, die aber wenig kampfbereit sind, zu « fabrizieren ». Eine Auswahl wird auch nach Charaktereigenschaften vorgenommen, wobei Stiere, die auf Täuschungen hereinfallen und nicht sofort auf die Akteure zustürmen, vorgezogen werden.

Ernährung der Stiere
Immer häufiger werden den Tieren Futtermittel verabreicht, die Übergewicht und imponierenden Körperumfang zur Folge haben und damit Trägheit beim Stier fördern.

Maßnahmen, die kaum zu glauben sind
Sogar Autoren der Stierkampfpresse, darunter einige Tierärzte, prangerten die grausame Praxis an, den Stieren vor dem Kampf die Wirbelsäule zu beschädigen, indem ihnen schwere Sandsäcke auf den Rücken geworfen werden. Es ist ebenso sicher, dass die Stiere mit einem sadistischen Erfindungsreichtum noch anderen Quälereien ausgesetzt sind.
Erwähnen wir noch die nicht zu tolerierenden Bedingungen ihres Transports zum Ort ihrer Qual : Reisezeit manchmal über 24 Stunden, wenig Bewegungsraum und kein Platz zum Ausruhen, kein Wasser und Futter während der Fahrt usw., usw…
Ebenso kann man die Angewohnheit einiger Picadores, die nicht in den fleischigen Nacken sondern direkt dahinter in die Wirbelsäule stechen, als betrügerisch bezeichnen. Wenn man weiß, dass ein solcher Spieß bis zu 20 cm und mehr in den Rücken einzudringen vermag, kann man sich mit Schaudern die grausamen Folgen vorstellen.
Dass der Verband der spanischen Stierzüchter sich energisch gegen diese Machenschaften ausspricht, beweist, dass wir keineswegs Hirngespinsten nachjagen!

Gezeichnet : Robert CLAVIJO / Guy LASSALE

ZUCHT DER sogenannten KAMPFSTIERE

Der sogenannte Kampfstier gehört keiner besonderen Rinderrasse an und besitzt auch keine besonderen Gene, welche die Aggressivität fördern. Er besitzt dieselbe Anzahl von Chromosomen (2n = 60) wie andere Rinderrassen. Der Auerochse ist sicherlich ihr gemeinsamer Urvater.

Um einen Stier nach Maß zu züchten, wählen die Züchter, die « ganaderios », bestimmte Rinderrassen aus und kreuzen sie untereinander :
Bei der tientaswerden die Kühe von einem Picador gereizt, um ihre „Tapferkeit“ zu testen. Die zänkischsten werden als Muttertiere ausgewählt , die anderen für die Metzgerei gemästet. Bei den männlichen Tieren zieht man besonders Stiere, die beim Stierkampf begnadigt wurden, als Zuchttier vor, denn sie haben die grausame Prozedur überstanden, was aber sehr selten vorkommt.

Im Gegensatz zu ihren Behauptungen haben die Züchter durch die einseitige Auswahl großen ökologischen Schaden verursacht, denn dabei sind 80% des genetischen Potentials verloren gegangen. Außerdem ist in hohem Masse Inzucht betrieben worden. Zudem haben Krankheiten, wie Tuberkulose und Maul- und Klauenseuche zur Dezimierung der Bestände beigetragen.
Die Verringerung der Weideflächen, die bisher den Züchtern zur Verfügung standen, veranlasste sie, den Rindern Vollwertfutter zu verabreichen, was zum ernormen Wachstum der Tiere beitrug. Diese mächtigen Tiere beeindrucken natürlich den Zuschauer, verlieren jedoch an Beweglichkeit. Manchmal brechen sie im Laufe des Stierkampfes zusammen, da sie solche intensiven Bewegungsabläufe nicht gewohnt sind.

Um die Beihilfen der Europäischen Union einstreichen zu können, sind die Züchter einer strikten Kennzeichnungspflicht ihrer Tiere unterworfen. Einerseits müssen sie auf Dokumenten den Behörden gegenüber ihren Bestand nachweisen können und andererseits muss der Nachweis durch Kennzeichnung am Tier selbst erfolgen. Das geschieht anlässlich der « ferrades », bei denen die Tiere mit Brandzeichen versehen werden.

Im ersten Jahr bekommt das Kalb das erste Brandzeichen mit dem Geburtsjahr, im zweiten wird ihm das Logo der „granaderia“ eingebrannt und im dritten Jahr das Zeichen des Züchterverbandes. Die Brandzeichen gehen tief ins Fleisch, um unauslöschbar zu sein. Schließlich werden noch die Ohren nach einem besonderen Kennzeichnungssystem eingeschnitten. Um das Infektionsrisiko auszuschließen, müssen die zugefügten Brandwunden, die tiefe Spuren hinterlassen, versorgt werden.

DAS VERHALTEN DES STIERES

Der Stier ist kein Raubtier und noch weniger ein blutdürstiges Tier. Domestiziert durch den Menschen ist er also kein wildes Tier. Er ist von Natur aus friedlich und liebt Ruhe. Wie alle anderen Pflanzenfresser nimmt er Reißaus vor Gefahren. Wenn die Flucht nicht möglich ist, zieht er es vor, mit anderen Rindern eine Gruppe zu bilden und nur einzelne Tiere stellen sich der Bedrohung. In der Arena von Lunel (Frankreich) wurde uns dieses Verhalten bei einer Vorführung mit cirka hundert Stieren gezeigt. Der Stier greift nur an, wenn er sich in Gefahr und außerhalb seiner Herde befindet. Auf sich allein gestellt, an einem Ort, wo er nicht entweichen kann, wie bei der Corrida, wird er aggressiv.

Ein Stier nach Mass
Es gibt zwei Typen von Stierkampfanhängern mit unterschiedlichen Vorstellungen vom Stier (siehe auch "Pavé dans l'Arène" n° 7).
Für die « Toro-isten » sollen die Züchter einen sehr kämpferischen Stier liefern, wie die berühmten „Miuras“, die aus Herden von Cabrera, Vistahermosa und Navarra hervorgehen. Für die « Torero-isten » sollen die Züchter einen eher sanften, um nicht zu sagen dummen, Stier züchten, der den choreographischen Gesten des Matadors folgt, ohne dass er den Stier sehr fürchten muss.

Gezeichnet : Alain JORON

EIN HÖCHST WIDERSPRÜCHLICHES GESETZ

Das französische Tierschutzrecht ist sehr widersprüchlich und erlaubt
Ausnahmen. Bei Rechtsstreitigkeiten kommt es dazu immer wieder zu skandalösen Auslegungen, insbesondere bei den Ausnahmeregelungen.
Das Naturschutzgesetz vom 10.Juli 1976 hat das Strafgesetzbuch hinsichtlich der Tierquälerei in folgender Weise beeinflusst : Der 1. Absatz des Artikels 521/1 verurteilt schwerwiegende Misshandlungen und grausame Akte gegenüber Tieren; doch Absatz 3 sagt, dass die Regelungen des vorstehenden Artikels nicht anwendbar sind, wenn eine ununterbrochene lokale Tradition nachgewiesen werden kann. Sie sind ebenso nicht anwendbar auf Hahnenkämpfe in Orten, wo eine ununterbrochene Tradition besteht.

Die F.L.A.C. steht auf dem Standpunkt, dass die Vorschriften des Tierschutzgesetzes für alle Tiere gelten müssen und fordert, dass die Ausnahmeregelung des 3. Absatz des Artikel 521/1 abgeschafft werden muss!

Über die Preise der Stiere und die Bezahlung der Toreros gibt es keinerlei schriftliche Verträge. Sie werden geheim gehalten. Die Organisatoren der Stierkämpfe (meistens Stadtverwaltungen) können so das Finanzamt beschwindeln, Rechnungen verfälschen und damit den Steuerzahler betrügen. Die oft vom Rechnungshof beanstandeten Unterschlagungen bleiben immer ungesühnt. Woher kommt das? Mit den Stierkämpfen ist eine Mafia, « toromafia » genannt, entstanden, deren Komplizen hohen Stellungen besonders in politischen Parteien und den Medien einnehmen.
Das Ergebnis : Während 83% der Franzosen die Corrida ablehnen, unterstützen fast alle politischen Parteien (auch ein Teil der Grünen!) und fast alle Medien das blutige Schauspiel. Nur die Zeitschriften „Charlie Hebdo“, “Science et Nature“ und „Biocontact“ haben sich klar dagegen ausgesprochen. Wir beglückwünschen sie dazu!

Groupe parlementaire "Elevage et Tradition"

Parlamentarische Arbeitsgruppe " Tierzucht und Tradition "
der Nationalversammlung
Gründer der Gruppe: Michel Vauzelle

Es handelt sich bei dieser Arbeitsgruppe um eine nichtoffizielle Formierung von Parlamentariern der französischen Nationalversammlung aller politischen Richtungen. Diese Gruppe versucht, unter ihrem heuchlerische Namen die gesetzlichen Bedingungen für den Stierkampf in ihrem Sinne zu verbessern und ihm damit zu erlauben, sich auf das gesamte französische Staatsgebiet auszudehnen. Auf Betreiben dieser Gruppe soll in diesem Frühjahr das französische Tierschutzgesetz zugunsten der Stierkampfveranstalter geändert werden. Die F.L.A.C. ist dem gegenüber sehr wachsam und veranstaltet mit befreundeten Organisationen am 28. April 2004 eine friedliche Demonstration vor der Nationalversammlung.
Präsident
Jean GRENET
Bürgermeister von Bayonne Pyrénées-Atlantique UMP Arzt
Vize-Präsident
Paul-Henri CUGNENC
Stellvertr. Bürgermeister von Béziers Hérault UMP Chirurg
Yvan LACHAUD Stellvertr. Bürgermeister von Nîmes Gard UDF Schuldirektor
Michel VAUZELLE Präsident der Region Provence, Alpes, Côte d'Azur Bouches-du-Rhône PS Präfekt
Vize-Präsident
Etienne MOURRUT
Bürgermeister von Grau-du Roi Gard UMP Kaufmann
Vize-Präsident
Alain MARLEIX
Bürgermeister von Massiac Cantal Ex RPR Ohne erklärten Beruf
Sekretär
Daniel GARRIGUE
Bürgermeister von Bergerac Dordogne UMP Verwalter in der Nationalversammlung
Jacques GODFRAIN Stadtrat von Ayssène Aveyron UMP Leitender Angestellter
Jean-Pierre GRAND Stadtrat von Castelnau-le-Lez Hérault UMP Parlamentarischer Attaché
Alain JUPPE Bürgermeister von Bordeaux Gironde UMP Finanzbeamter
Michèle ALLIOT-MARIE Minister für Verteidigung und Kriegsveteranen Pyrénées-Atlantique UMP Universitätsprofessorin
Franck BOROTRA   Yvelines   Ingénieur
François FILLON   Sarthe UMP  
Renaud DUTREIL   Aisne UDF Maître des requêtes au conseil d'état
Yves NICOLIN Bürgermeister von Roanne Loire UDF Geschäftsführer
Hélène MIGNON   Hte-Garonne PS Ärztin
François LONCLE   Eure PS Journalist
Serge BLISKO Bezirksbürgermeister von Paris (13. Arr.) Paris PS Arzt
Jérôme CAHUZAC   Lot et Garonne PS Chirurg
Jean TARDINO   B.d.R PC  
Noël MAMERE Bürgermeister von Bègles Gironde Vert Journalist
Arthur DEHAINE   Oise UMP Buchprüfer
Christian JACOB   Seine et Marne UMP Landwirt
René GALY-DEJEAN Bezirksbürgermeister von Paris (15. Arr.) Paris UMP Leiter eines Unternehmens
André VALLINI Präsident des Departement-Rates Isère PS Rechtsanwalt
Jean-Michel FERRAND   Vaucluse UMP Professor
Raymond CHESA Bürgermeister von Carcassonne Aude UMP  

PS = Sozialistische Partei
UMP = Regierungspartei (rechts)
UDF = Mitte-Rechts Partei
PC = Kommunistische Partei
Vert = Die Grünen

DIE STIERKAMFSCHULEN
oder die Einführung in den Sadismus

Es handelt sich um private Schulen, die aber von den örtlichen öffentlichen Körperschaften subventioniert werden. Zum Beispiel: Die Stadtverwaltung von Arles subventionierte die Stierkampfschule in ihrem Ort in den Jahren 1997 und 1998 mit jeweils 7600 €.

LISTE DER FRANZÖSISCHEN STIERKAMPFSCHULEN

Stand: Januar 2005

Arles (Bouches-du-Rhône / 13)
Sitz und Sekretariat : 6 rue du 4 septembre 13200 Arles
Tel: 04.90.96.59.52. Fax : 04.90.96.60.16.
Président: Mr Paquito Leal
http://ec.taurine.arles.free.fr/

Béziers (Hérault / 34)
Aux arènes de Béziers dites du Plateau de Valras
Direktor Robert Margé

Campet et Lamolere (Lande / 40)
Ecole Taurine du Grand Sud Ouest
Sitz und Sekretariat: Routge 40090 Campet et Lamolere
Tel : 05.58.85.26.31.
Präsident : Mr G. Marsal

Cardet (Gard / 30)
Ecole de Tauromachie à Cheval
Sitz und Sekretariat: Les Arnasseaux 30350 Cardet
Tel: 04.66.83.04.36.
Präsident: Mr D. Donzala

Hagetmau (Lande / 40)
Tel : 06.78.31.58.32.
Präsidentin : Mlle Béatrice Brethes

Istres (Bouches-du-Rhône / 13)
Aux arènes "Le Palio"
Trainer : Bernard Carbuccia alias Bernard "Marsella" (Marseille)
Anmeldung : CIAS : 04 42 56 34 39
(seit 24.9.2003)

Nîmes (Gard / 30)
Centre Français de Tauromachie
Sitz und Sekretariat: BP 122 30011 Nîmes Cedex
Tel: 04.66.38.03.33. Fax: 04.66.84.46.52.
Präsident: Mr Christian Lesur

Saint Remy de Provence (Bouches-du-Rhône / 13)
Leitung : Tino Lopes.
Auskünfte 06 11 47 82 78
Tarascon (Bouches-du-Rhône / 13)
Tel: 04.90.18.98.71.
Präsident: Mr José Manrubia

Wer besucht diese Schulen der Grausamkeit ? Die Schüler kommen hauptsächlich aus dem Milieu der Stierkampfanhänger und wurden von ihren Eltern schon in zarter Kindheit an die grausamen Ereignisse gewöhnt. Bereits im Alter von zwei Jahren durften Kinder ihre erste Corrida miterleben, während es Heranwachsenden normalerweise nicht erlaubt ist, sich andere Gewalttätigkeiten, z.B. im Kino, anzusehen. Kinder werden durch das Ambiente in der Arena, die Musik und die Kostüme beeindruckt, ebenso von dem in die Arena stürmenden schwarzen Stier. Die Erwachsenen schwärmen im Beisein der Kinder von dem Ereignis und vertuschen das Leiden des Tieres. Wenn trotzdem bei dem Kind Mitgefühl für das Tier aufkommt, wird ihm vorgemacht, dass der Stier für den Stierkampf geschaffen ist und man sucht tausend Ausreden, um ihm zu erklären, dass dem Stier nichts Böses geschieht. So wächst das Kind heran, glaubt an die Lügen der Erwachsenen und setzt seine „Lehrzeit“ fort. Dann kommt eines Tages der Wunsch auf, auch Torero zu werden. In diesem Moment schwanken die Erwachsenen. Einerseits haben sie Angst um ihr Kind, da das „Handwerk“ doch gewisse Risiken in sich birgt, besonders am Anfang, wenn der Lehrling noch keine Erfahrung hat, und andererseits überwiegt der Stolz, irgendwann den Ruhm ihres Sprösslings bewundern zu dürfen. Schon mit fünf Jahren werden einige Kinder an den Schulen angemeldet. Sie beginnen ihre deformierende Ausbildung an einem Strohballen und üben dann mit dem « carreton ». Das ist ein Gestell mit einem Rad und zwei Schubkarrengriffen, an dem vorne zwei Stierhörner angebracht sind. Der Anfänger

begegnet seinem ersten „Stier“, einem Kalb, bei einer « capea », wo der Todesstoss nur simuliert wird. Dann wird es bei der « becerrada » blutiger Ernst und er darf schon ein Kalb unter zwei Jahren töten. Der junge Mensch, nun „Töter » geworden, ist sich nicht immer der Tragweite seiner Tat bewusst. Wenn die Torero-Lehrlinge noch keine Erfahrung haben, entarten die « becerradas » oft zu wahren Schlachtereien. Die Organisatoren ziehen es vor, dem Publikum nur die « harmlosen capea » zu präsentieren. Die « becerradas » werden vielmehr ohne störende Zeugen im privaten Kreis der Züchter vor fachkundigem Publikum veranstaltet. Wenn die Folterlehrlinge genügend Erfahrung gesammelt haben und « novillero » geworden sind, können sie an « novilladas » ohne Picadore mit jungen Stieren (« novillos ») im Alter von zwei bis drei Jahren und danach an « novilladas » mit Picadoren und Stieren bis zu vier Jahren teilnehmen. Mit den « novilladas » beginnt das traditionelle Ritual der Verstümmelung der Tiere. Der Toreroschüler wird mit seinen ersten makabren Trophäen belohnt : Er erhält ein oder zwei Ohren oder den Schwanz oder beides zusammen ! Welch schöner Wandschmuck !Am Ende seiner Ausbildung wird er als Matador anerkannt und darf damit ältere Tiere zu Tode quälen.

Die Stierkampfschulen nehmen oft an Stierfestivals teil, bei denen die Schüler ihr Erlerntes vorführen können und der Erlös wohltätigen Organisationen zukommt. Man versucht damit, in der Öffentlichkeit Anerkennung und Ehre zu erlangen! Tieren Leiden zuzufügen, um andere Leiden wohltätig zu mildern, ist ein Paradox, was weder den Veranstaltern, den Zuschauern noch den Akteuren auffällt. Ein anderes Paradox besteht darin, dass einerseits die Corridalehrlinge älter gemacht werden, wenn es um die betrügerische Unterzeichnung von Versicherungsverträgen geht ( siehe EL JULI, der Liebling aller Corridafans), und andererseits, dass sie in den Medien als engelhafte und unschuldige Wesen verehrt werden. So pflegt die Corrida ihr Image!


In einer Gesellschaft , in der man versucht, Gewalt einzudämmen, besonders bei den Heranwachsenden, tragen Erwachsene die Verantwortung, Kinder dazu anzuhalten, das Leben zu respektieren und nicht zu ermutigen, Tiere zu quälen und zu töten.
Diese Schulen sind „Schulen des Sadismus“, denen Kinder oft spontan zulaufen. Sie dazu zu ermutigen, ist geradezu kriminell! Die Behörden, welche die Ausbildung zur Grausamkeit subventionieren oder im besten Falle dulden, sind anzuprangern und reif für eine psychiatrische Behandlung!

Wir werden alles daran setzen, dass diese Schulen keinen Nachwuchs mehr bekommen, um sie damit eines Tages existenzlos zu machen.

Alain JORON / Josyane QUERELLE